Restwert des Autos – was ist der Gebrauchtwagen nach einigen Jahren noch wert?

Gebrauchtwagen verlieren im Laufe ihres Lebens an Wert, dennoch lassen sich viele Modelle noch zu einem vernünftigen Preis an einen neuen Halter verkaufen. Trotzdem unterschätzen viele Autobesitzer, wie hoch der Wertverlust ihres Fahrzeugs tatsächlich ist. So kann ein Neuwagen allein im ersten Jahr der Zulassung rund ein Viertel des Kaufpreises einbüßen, wenn beispielsweise eine jährliche Fahrleistung von etwa 15.000 Kilometern erreicht wird. In den Folgejahren sinkt dieser Wert zwar, dennoch müssen pro Jahr weitere fünf bis sechs Prozent Wertverlust einberechnet werden. Schon nach drei Jahren kann so manches Fahrzeug auf diese Weise nur noch die Hälfte seines ursprünglichen Kaufpreises wert sein.


Wer in Erfahrung bringen möchte, was der Gebrauchtwagen derzeit noch wert ist oder wie er sich in einigen Jahren auf dem Markt macht, der sollte dafür allerdings nicht nur die gefahrenen Kilometer berücksichtigen. Stattdessen gilt es ebenso weitere Kriterien miteinzubeziehen, die für die Restwertermittlung wichtig sind. Darunter fallen insbesondere:

Zwar können Autobesitzer sich den Restwert ihres Fahrzeugs auch durchaus selbst ausrechnen oder diesen schätzen, in der Regel wird hierbei jedoch zu bekannten und bewährten Hilfsmitteln gegriffen. Zu nennen ist hierbei insbesondere die sogenannte Schwacke Liste. Sie gibt den ungefähren Restwert von gebrauchten Kraftfahrzeugen wieder und berücksichtigt dabei Fahrzeugtyp, Baujahr, Ausstattung, Lackierung und Kilometerstand. Ausgelegt sind die Werte und Ergebnisse speziell auf den deutschen Markt. Die Liste wird daher ständig aktuell gehalten und dient sowohl im privaten als auch gewerblichen Raum als wichtige Arbeitsgrundlage. Während früher lediglich Pkw auf der Schwacke Liste gefunden werden konnten, so hält sie heute auch entsprechende Werte für Transporter, Zweiräder, Lkw, Anhänger und sogar Boote bereit. Wichtig ist sie im praktischen Einsatz auch dann, wenn ein Autounfall vorliegt. In dem Fall dient die Publikation Versicherungen und Sachverständigen als wichtiges Standardwerk. Dies gilt vor allem für den Fall, dass das Auto einen Totalschaden erlitten hat und der Geschädigte es daher nicht mehr reparieren lassen, sondern verkaufen möchte. Der einfache Blick in die Schwacke Liste genügt hier allerdings noch nicht, zusätzlich sollte ein Sachverständiger hinzugezogen werden. Dieser berücksichtigt weitere Punkte wie etwa die örtlichen Besonderheiten, die in der Schwacke Liste nicht enthalten sind.

Jedoch ist die Liste für Verbraucher grundsätzlich nicht kostenfrei, eine Fahrzeugbewertung kostet 7,90€, wobei etwa 700.000 Vergleichswerte herangezogen werden. Die Schwacke Liste ist allerdings nicht die einzige Option, die Verbraucher beim Autoverkauf haben. Alternative Anbieter zur Schwacke Liste vielmals kostenlos nutzbar, wobei ihre Datenmenge nicht ganz so hoch wie die der Schwacke Liste ist. Einige der kostenlosen Anbieter unterscheiden sich zur Liste aber darin, dass sie ein persönliches Gutachten als zusätzlichen Service anbieten.

 Die wertstabilsten Fahrzeuge 2016

Schwacke und die Zeitschrift „Auto Bild“ haben für das Jahr 2016 insgesamt 39 Modelle aus 13 Fahrzeugkategorien als sogenannte Wertmeister ausgewählt. Sie haben demnach einen besonders hohen Restwert beim Verkauf, sodass sie sich als Gebrauchtwagen dementsprechend lohnen. Demnach hat die Billigmarke Dacia dieses Jahr die Nase vorn mit dem geringsten Wertverlust in Euro – wie übrigens bereits im Vorjahr. Der Vorjahressieger Dacia Logan MCV wurde dabei jedoch abgelöst vom kompakten Sandero. Insgesamt liegt der Wertverlust beim Sandero 1,2 16V 75 nach vier Jahren bei nur 2740 Euro. Aber auch andere renommierte Modelle wie der Adam von Opel, der Prius von Toyota oder die V-Klasse von BMW konnten überzeugen. Insgesamt landete BMW sogar in insgesamt neun Kategorien auf den ersten drei Plätzen, Porsche konnte immerhin sieben Platzierungen für sich herausholen. Wenig überraschend: weit vorn liegt dabei das Sportwagensegment.

Der Titel des Wertmeisters ist damit nicht nur eine Trophäe, die sich der Hersteller ins Regal stellt. Vielmehr fördert sie die Kundenbindung und kann so auf dem Automarkt für wichtige Marktanteile sorgen. Auch Autobanken orientieren sich an dem Titel und berechnen danach ihre Kredit- und Finanzierungskonditionen. Zudem entscheiden auch viele Unternehmen anhand der Schwacke-Zahlen, welche Autos für sie als Firmenwagen in Frage kommen.

Wichtige Denkfehler, die Verbraucher bei den Restwertsiegern machen

Der Wertverlust spielt eine wesentliche Rolle bei den Gesamtkosten der Fahrzeuge. Tatsächlich sind die Berechnungen mitunter jedoch auch irreführend und sorgen nicht selten für falsche Schlussfolgerungen bei den Käufern. Viele Autoverkäufer nutzen das für sich aus. Zwei wichtige Punkte sollten Verbraucher daher berücksichtigen:

  • Rabatte werden nicht berücksichtigt

Beim Neupreis handelt es sich in der Regel um den Listenpreis. Tatsächlich entspricht dieser jedoch nur selten der Realität, denn Fakt ist, dass fast jeder Autohändler hohe Rabatte für seine Fahrzeuge aushandeln kann. Damit liegt der Nettopreis teilweise deutlich unter den Listenpreisen, wodurch die Kalkulation des Wertverlustes unvollständig ist. Dies wird bei der Berechnung jedoch meist nicht berücksichtigt.

  • Zinsen müssen miteinbezogen werden

Wird ein Fahrzeug gekauft, so muss der Käufer eine erhebliche Kapitalbindung eingehen. Dies wird vor allem dann ersichtlich, wenn der Kaufpreis zusätzlich finanziert werden muss. Die Kalkulation muss in so einem Fall erweitert werden. Hier ist der Vorteil eines höheren Restwertes also deutlich geringer, da das Fahrzeug zunächst erst einmal vier Jahre finanziert werden muss. Bei einem Zinssatz von sechs Prozent effektiv ist der Restwert per heute nur 79,2 Prozent wert.

Demnach gilt, dass verlässliche Ergebnisse nur dann erzielt werden, wenn dabei Zinsen auf die Restwerte und Rabatte auf die Listenpreise berücksichtigt werden. Derzeit sind viele der zurzeit getroffenen Restwertaussagen für den Kunden jedoch teilweise irreführend.

Fazit: Informationen einholen vor dem Verkauf

Soll das eigene Fahrzeug verkauft werden, so gilt es im Vorfeld ausreichend Informationen einzuholen und diese in jedem Fall von einem seriösen Dienstleister zu beziehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um ein Unfallfahrzeug handelt – dann darf der Autofahrer es zu dem vom Sachverständigen ermittelten Restwert verkaufen, ein von der gegnerischen Haftpflichtversicherung ermitteltes Restwertangebot muss er nicht abwarten.


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