Darauf kannst du wetten – Zocken im Fußballfieber

 

Es ist eine vom Staat geduldete rechtliche Grauzone. Doch viele drücken beide Augen zu, verdienen daran und halten die wirtschaftliche Konjunktur damit in Schwung. Die Rede ist von Deutschlands liebstem (Sport-)Kind der etwas anderen Art: Den allen Orten beliebten Sportwetten und ihrem besonders populären Ableger, dem Wetten auf Bundesliga-Fußballereignisse.

Eine Branche boomt

2016 kletterten die Wetteinsätze auf einen bisherigen Rekordstand: 4,91 Milliarden Euro wurden auf dem deutschen kommerziellen Sportwetten-Markt getätigt, zusammen mit den 21 Millionen aus dem Topf staatlicher Sportwetten wurde erstmals die 5-Milliarden-Euro-Hürde geknackt. Zu den beindruckenden Zahlen kommt das deutsche, in den Bereichen Medien, Entertainment und Telekommunikation spezialisierte Unternehmen Goldmedia in seiner jüngsten Studie zum Konsumverhalten. Gegenüber 2012 ein Umsatz-Plus von rund 40 Prozent, stiegen die Umsätze pro Jahr kontinuierlich an – aller Widrigkeiten einer Wachstumsbranche zum Trotz, die sich von der mittlerweile gescheiterten Konzessionsvergabe an Sportwetten-Anbieter in Deutschland scheinbar unbeeindruckt stetig entwickelt.

Einer Umfrage zu Sportwetten und Lotto zufolge waren es 2015 bereits über drei Millionen Spieler ab 14 Jahren, die im Internet Sportwetten abschlossen und ihr Glück auf die Probe stellten – zwei Jahre zuvor war es noch ein Drittel weniger gewesen. Die Analyse der Allensbacher Computer- und Technik-Analyse zeigt eindrucksvoll, wo die Reise in den kommenden Jahren jenseits des staatlichen Monopolisten ODDSET hingeht – in einen grauen Markt, in dem die Sportwetten-Anbieter zwar einerseits keiner deutschen Regulierung unterliegen, andererseits aber, nach höchstrichterlichem Urteil des EuGH, ihre Dienstleistung trotzdem anbieten dürfen.

Die Kombination macht’s

Fußball ist in Deutschland war und ist in Deutschland Sportart Nummer Eins. Die Bundesliga gilt mittlerweile als eine der besten Fußballligen der Welt. Ihre Faszination schafft in Verbindung mit dem beim Glücksspiel üblichen Nervenkitzel eine enorme Anziehungskraft, die sich die diversen Anbieter im Netz zu Nutze machen. Das Angenehme auch noch mit dem Nützlichen verbinden zu können, mit seinem Hobby auch noch so manchen Euro nebenher verdienen zu können hat maßgeblichen Anteil am Erfolg der Sportwetten in Deutschland – eine Leidenschaft für Fußball, gewissermaßen garniert mit einer Extraportion Nervenkitzel (Quelle: sportwetten.net)

So sind gerade die Wettquoten in der Fußball-Bundesliga oftmals deutlich höher als in anderen (niedrigeren) Fußball-Ligen oder in anderen weniger populären Sportarten.

Und der Staat verdient mit

 
 

Laut geltendem Glücksspielstaatsvertrag ist es theoretisch jedem privaten Anbieter in ganz Deutschland untersagt, um Einsätze zu werben – theoretisch. In der Praxis hat sich hinter dem Rücken des einzigen staatlichen Monopolisten ODDSET eine Schattenwirtschaft positioniert, die von der Unentschlossenheit der Gesetzgeber in den Bundesländern profitieren, eine bundeseinheitliche Glücksspielregulierung zu etablieren und für klare Verhältnisse zu sorgen. Mit harten Bandagen wurde gekämpft und sich mühsam auf einen Glücksspielstaatsvertrag geeinigt, der den Status des staatlichen Lottomonopols de facto bewahrte, die Länder aber zwang, den Markt zu öffnen. Für sieben Jahre sollten 20 Konzessionen an Sportwetten-Anbieter vergeben werden, nach vier Jahren eines juristischen und politischen Hin und Her steht das Verfahren vor dem Aus: Keine Konzession wurde bislang vergeben. Sportwetten-Anbieter unterliegen zwar keiner deutschen Regulierung nach den juristischen Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs, dürfen ihre Dienstleistung trotzdem anbieten.

Davon profitiert auch Vater Staat: Die Duldung erkaufen sich die quasi „illegalen" Privatanbieter mit freiwilligen Wettsteuer-Zahlungen, 2015 flossen so mehr als 240 Millionen Euro in die Staatskassen. Die fortlaufende Wahrung beider Interessen führt zu der provokanten Frage, ob Glücksspiel in Deutschland überhaupt noch in feste juristische Formen gegossen werden muss. Der Markt boomt, die Staatskassen profieren, die Einnahmen sprudeln: Einschließlich des Schwarzmarktes dürften sich die Umsätze derzeit bei bis zu sieben Milliarden Euro bewegen.

Und Fußballwetten?

Ohne Frage sind in den letzten Jahren auch Wetten auf Begegnungen in der Bundesliga immer attraktiver geworden. In keinen anderen Ligen werden hierzulande mehr Wetten abgegeben, wie in der ersten und zweiten Fußball Bundesliga. Von der heiligen Allianz Fußball und Sportwette profitiert mittlerweile jeder Wettanbieter in Deutschland, zumindest die erste und zweite Fußball-Bundesliga gehört zum Standard-Repertoire eines jeden großen Wettanbieters.

Voneinander unterscheiden tun sie sich vor allem in den Bereichen

  • Wettquote (Höhe der Ausschüttungen; erfahrungsgemäß bei Topp-Ereignissen wegen starker Nachfrage am höchsten)
  • Ein – und Auszahlmodi (Auswahl an Ein- und Auszahlmöglichkeiten, Einzahlungsgebühren, Bearbeitungszeit von Ein- und Auszahlungen)
  • Wetten-Bonus (kann bis zu 100 Prozent auf die erste Einzahlung bzw. maximal 100 Euro betragen)
  • Gewinnlimit
  • Livewetten (Platzierung neuer und aktueller Wetten noch während der Partie)
  • Kundenservice (Erreichbarkeit je nach Anbieter via Telefon und/oder Live-Chat oder E-Mail, bis zu 24-Stunden-Supports möglich)

Fakten, Fakten, Fakten

Das A und O bei Sportwetten im Allgemeinen, wie auch bei Fußballwetten im Besonderen ist, sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, sondern nackte Tatsachen sprechen zu lassen. Selbst wer etwa langjähriger Fan eines Vereins ist, sollte nicht automatisch auch auf seinen Verein wetten, wie der Autor Mark Weber in seinem Artikel über Fußballwetten grundsätzlich rät. Er empfiehlt, vor Wettabgabe stets den Fokus auf aktuelle Bundesliga-Nachrichten über die in Frage stehenden Clubs gerichtet zu haben. Hintergrundinformationen über die aktuelle Verfassung der einzelnen Spieler können wertvolle Anhaltspunkte darüber liefern, wie wahrscheinlich ein positives Abschneiden ihrer Teams sind und sollten definitiv Berücksichtigung bei den eigenen Bundesliga Wetten finden. Auch sollte vor einem Rückspiel das Ergebnis aus der Hinrunde einer kritischen Prüfung unterzogen werden, unter Miteinbeziehung aktueller Entwicklungen, die sich seitdem vollzogen haben.

Um an wettentscheidende Informationen zu gelangen, bieten sich verschiedene Wege an. Zum einen kann die Vereinshomepage der betreffenden Clubs Last Minute Infos über die geplante Aufstellung, Taktik und verletzte Spieler bieten. Tendenzen lassen sich auch den topaktuellen Beiträgen der lokalen Presse entnehmen. Ohne sich besonders in der Liga auskennen zu müssen, informieren natürlich auch die großen Sportportale oder überregionalen Zeitungen, die vor einem Spieltag den Status der Liga untersuchen und viele Informationen gegenüberstellen.

Wetten lässt sich auf vieles, neben der klassischen Wette auf Sieg, Remis oder Niederlagen gibt es unter anderem noch die Wetten

  • auf ein genaues Ergebnis
  • auf den Zeitpunkt des Tores
  • über/unter Toranzahl
  • auf den jeweiligen Torschützen
  • auf zwei Spielausgänge
  • auf ein Halbzeitergebnis
  • auf besondere Ereignisse wie gelbe/rote Karten, erste Ecke etc.

Gerade als Anfänger sollte eher auf sicherere Einzelwetten zurückgegriffen werden, statt direkt risikoreiche und wenig kalkulierbare Kombiwetten abzuschließen.


Bilder: Abbildung 1: pixabay©kobbybarda (CC0 1.0), Abbildung 2: pixabay©dawnfu (CC0 1.0)


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