Zahnzusatzversicherungen und ihre Ausprägungen - ein Überblick

Das ungute Gefühl beschleicht Patienten in der Regel schon einige Minuten vor Betreten der Praxis. Spätestens an der Patienteninformation steigt der Puls spürbar. Kaum ein Arztbesuch ist so gefürchtet wie der Gang zum Zahnarzt. Das Geräusch des Bohrers und ein Gefühl der Ohnmacht – laut Deutscher Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie kennen schätzungsweise zwei Drittel der Patienten dieses Gefühl. Und trotzdem: Ohne Zahnarzt wären:

  • Karies
  • Parodontitis oder
  • Zahnersatz

noch deutlich verbreiteter. Früher oder später werden Patienten auf letztgenannte Behandlung angewiesen sein.

Das Problem: Neben der Zahnarztangst kommt hier die Ungewissheit im Hinblick auf die Kosten hinzu. Zahnersatz wird seitens der gesetzlichen Krankenversicherung nach dem System der befundbezogenen Regelversorgung bezuschusst. Im besten Fall kostet Zahnersatz Patienten 35 Prozent der Behandlungskosten aus der Regelversorgung. Im schlimmsten Fall müssen Betroffene an diesem Punkt mit mehreren tausend Euro Eigenanteil rechnen. Zahnzusatzversicherungen versprechen, die finanziellen Nachteile der Behandlung aufzuwiegen. Laut PKV Verband haben deutsche Haushalte inzwischen mehr als 14,4 Millionen (Stand 2014) solcher Tarife abgeschlossen. Doch welche Arten von Zahnzusatzversicherungen gibt es eigentlich? Was ist dabei zu bedenken und für wen lohnt sich welche Police?

Der Weg zum Zahnarzt ist für die meisten Patienten eher unangenehm. Dies liegt zum einen an möglichen Schmerzen bei der Behandlung und zum anderen an den finanziellen Risiken.

Zahnzusatzversicherung mit Basisschutz

Als Patient ganz entspannt zum Zahnarzt – Zahnzusatzversicherung suggerieren, dass eine vollständige Deckung der Kosten möglich ist. Aber: Verbraucher müssen an dieser Stelle sehr genau hinschauen. In den letzten Jahren sind verschiedene Tarifkonstruktionen entstanden, welche die Zahnbehandlungen bzw. daraus resultierende Kosten sehr unterschiedlich decken.

Kernelement ist immer die Regelversorgung. Letztere entsteht durch die Tatsache, dass seitens der GKV jeder Diagnose (Befund) eine vorgeschriebene Behandlung zugeordnet wird. Beispiel Karies: Im Bereich der sichtbaren Zähne darf zahnfarbenes Füllungsmaterial verwendet werden, bei den Backenzähnen nur Amalgam. Ähnliches gilt für den Bereich der Zahnbrücke. Im Seitenzahnbereich ist eine unverblendete Metallbrücke vorgesehen. Die Verblendung wäre eine gleichartige Behandlung, Implantate würden als andersartiger oder auch höherwertiger Zahnersatz gelten.

Und nicht jeder Zahntarif deckt diese Abweichung von der Regelversorgung. Basistarife orientieren sich oft an jenen Kosten, welche für die Regelversorgung vorgesehen sind. Oder decken nur sehr geringe Summen des Eigenanteils – beispielsweise 30 Prozent.

Tabelle 1: Beispielrechnung für eine Zahnzusatzversicherung mit niedrigem Basisschutz.

Beide Beispiele zeigen, dass die Erstattungen von Basistarifen immer noch deutliche Lücken offenlassen. Zwar gibt es auch Policen, die den Eigenanteil nahezu komplett abdecken, aber dies gilt bei Basis-Policen nur für die Regelversorgung.

Premium-Tarife: Immer die beste Wahl?

Zahnersatz kann je nach gewählter Variante teuer werden. Aus diesem Grund soll auf Beispiel Nummer 1 zurückgegriffen werden. Eine Anfertigung des Zahnersatzes als Brücke mit Verblendung und aus Edelmetall führt zu Behandlungskosten, die schnell bei mehr als 1.900 Euro liegen. In Anbetracht des Zuschusses von nur rund 330 Euro müssen Patienten mehr als 1.500 aus eigener Tasche finanzieren.

Premiumtarife wollen diese Lücke schließen. Hier wird sehr häufig mit Erstattungshöhen zwischen 90 Prozent bis 100 Prozent geworben. Hinzu kommen in diesen Zahnzusatzversicherungen umfassende Komfortleistungen – wie die mehrmalig pro Jahr bezuschusste Zahnreinigung oder die Übernahme alternative Therapien in der Zahnbehandlung.

Aber: Verbraucher müssen bei den Tarifdetails sehr genau hinschauen. Die Berechnung der Erstattung muss sich immer nach dem Rechnungsbetrag – also den tatsächlich entstandenen Behandlungskosten richten. Darüber hinaus enthalten Verträge weitere wichtige Details.

  • Zahnstaffel: Versicherer sehen hier Deckelungen der Erstattungshöhe in den ersten Jahren vor. Meist erstreckt sich eine Zahnstaffel über vier bis fünf Versicherungsjahre. In der Praxis kann die Zahnstaffel so aussehen:
    • Jahr 1 – 1.000 Euro
    • Jahr 2 – 1.500 Euro
    • Jahr 3 – 2.000 Euro
    • Jahr 4 – 2.500 Euro
    • Jahr 5 – keine Deckelung mehr

Dies soll verhindern, dass Versicherte bereits im Wissen hoher baldiger Kosten eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Für Unfallschäden gelten die Deckelungen der Kosten häufig nicht.

  • Erstattungsfähigkeit: Dieses Thema ist besonders wichtig im Fall einer höherwertigen Versorgung. Letztere basiert in ihrer Abrechnung auf der Gebührenordnung für Zahnärzte. Die Rechnung muss auf der GOZ beruhen und die Höchstsätze nicht überschreiten.
  • Ausschlüsse: Auch in den Premium-Tarifen gelten Ausschlüsse. Fehlende und nicht behandelte Zähne gehören dazu.

Premium-Tarife können in der Zahnzusatzversicherung – gerade beim Zahnersatz – zu einer hohen Erstattung und finanziellen Entlastung führen. Prinzipiell muss an dieser Stelle klar sein, dass dieser umfassende Schutz sich seitens der Beiträge widerspiegelt. Und dass die Prämien mit dem Alter des Versicherungsnehmers steigen. Trotzdem kann eine solche Police laut dieser Seite gerade dann interessant sein, wenn Versicherte sich höherwertigen Zahnersatz wünschen.

Zahnersatz ohne Wartezeit

Das Thema Wartezeit ist für viele Patienten eine Überraschung. Schließlich existiert eine vergleichbare Regelung in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht. An dieser Stelle übernehmen die Versicherer meist jene Fristen, welche das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) zulässt. Nach § 197 VVG kann für Zahnbehandlungen diese Frist bei bis zu acht Monaten liegen.

Warum sollte ein Versicherer hierzu greifen? Ganz einfach: Durch die Wartezeit wird verhindert, dass Patienten mit akuten Zahnproblemen schnell eine Zahnversicherung abschließen – und sich dann teuer behandeln lassen. Inzwischen sind am Markt Tarife zu haben, welche auf die Wartezeitregelung verzichten.

Lange lediglich von wenigen Versicherern angeboten, ist der Markt für diese Policen inzwischen breiter geworden. Aber: Die Versicherer gehen hier teils sehr strikt mit dem Thema Zahnlücke bzw. der begonnenen Zahnbehandlung um. Viele Patienten verkennen an dieser Stelle, dass bereits die Diagnose von Versicherern und Juristen als Behandlungsbeginn angesehen wird.

Zahnersatzversicherung: Tarife für Puristen

Die Zahnersatzversicherung ist ein Tarifmodell, das Versicherte nicht bei jeder Gesellschaft finden werden. Hierbei handelt es sich um Verträge mit einer Ausschnittsdeckung. Leistungsfall ist einzig und allein der medizinisch notwendige Zahnersatz. Andere Maßnahmen wie:

  • Zahnreinigung (Prophylaxe)
  • Zahnfüllungen
  • Wurzelbehandlung usw.

werden seitens der Versicherer strikt ausgeklammert. Dieses Tarifmodell richtet sich also an jene Verbraucher, die ausschließlich für den Fall des Zahnverlusts vorsorgen wollen. Die Höhe der Erstattungen variiert. Als Versicherungsnehmer ist ein voller Ersatz der Regelversorgung möglich. Wer von dieser Behandlung abweicht, wird im Gegenzug immer noch mit einem gewissen Eigenanteil rechnen müssen.

Fehlende Zähne: Versicherungen, die trotzdem leisten

In den letzten Jahren hinzugekommen sind Tarife, die auch bei bereits begonnener Behandlung – und ohne Gesundheitsprüfung – leisten. Auf den ersten Blick ideal, um Zahnlücken ohne Kostenrisiko zu schließen. In der Praxis ergeben sich hier aber einige Problemstellungen. Nummer 1 betrifft die Auswahl. Da bislang nur einige ausgewählte Versicherer an diesem Segment aktiv sind, bleibt die Auswahl überschaubar.

Auf der anderen Seite sind die Leistungen der Tarife mit Sofortleistung meist begrenzt. Seitens der Versicherer wird die Regelversorgung zur Messlatte gemacht. Möglich ist die Verdopplung des Festkostenzuschusses. Sofern eine höherwertige Behandlung der Zahnlücke in Anspruch genommen werden soll, entsteht wiederum ein gewisses finanzielles Risiko.

Zahnersatz ist gerade im komfortablen Segment häufig mit hohen Kosten verbunden. Mit einer Zahnzusatzversicherung lassen sich solche Probleme oft umgehen - doch worauf ist dabei zu achten?

Fazit: Zahnversicherung – wer die Wahl hat, hat die Qual

Das Thema Zahnersatz ist inzwischen nicht nur aus medizinischer Sicht ein komplexes Problem. Auch finanziell stellt eine Zahnlücke Patienten vor Probleme. Gerade die teils sehr deutliche Differenz zwischen der Behandlung, die Zahnärzte anraten, und den Zuschüssen der GKV sind schwierig. Zahnzusatzversicherung stoßen daher auf großes Interesse. Aus Sicht eines Patienten ist der Umfang des Angebots nicht ganz einfach zu überblicken. Die Frage muss unter anderem lauten: Welche Leistung ist für mich wirklich notwendig? Maßnahmen aus dem Prophylaxe-Sektor – wie die Zahnreinigung – kosten etwa 100 Euro. Und auch der Verzicht auf Amalgam als Füllungsmaterial ist für die Haushaltskasse oft zu verkraften. Deutlich fordernder wird das Thema Zahnersatz. Hier muss der gewählte Tarif möglichst umfassende Leistungen anbieten und deutlich zur Entlastung des Portemonnaies beitragen.


Bildquellen:

Abbildung 1: © rgerber (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Abbildung 2: © dental-inno (CC0-Lizenz) / pixabay.com



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