Wie Technik unser Leben verändert: Das Zeitalter von Augmented und Virtual Reality

Einen Firmenumbau schon vor sich sehen, bevor der erste Handwerker eingetroffen ist? Sich nie wieder fragen, vor welchem berühmten alten Gebäude man gerade steht? Willkommen im Zeitalter der digitalen, wahrgewordenen Magie.

Erwischt! Wenn Sie diese Zeilen lesen, blicken Sie mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht auf den Monitor eines ortsfesten Computers, sondern aufs Display Ihres Smartphones, Tablets oder Sie sitzen bequem auf der Couch und haben den Laptop auf dem Schoß liegen. Vielleicht stehen Sie in einem überfüllten Zug, an der Bushaltestelle oder warten im Stau. Ist es nicht großartig, dass in solchen, früher der Langweile preisgegebenen, Situationen immer ein elektronisches Helferlein die Tür zur Welt öffnet? Stellen Sie sich einmal vor, was Sie vor nur zehn Jahren in eine dieser Warte-Lagen getan hätten… Und heute? Heute könnte man sich schon morgens im Badezimmerspiegel über Nachrichten und Wetter informieren. Elektronik, verändert unser Leben immer rasanter, immer tiefgreifender.. Was unseren Alltag schon heute bestimmt und in baldiger Zukunft bestimmen wird, verrät der folgende Artikel.

Technik-Revolution – Innovationszyklen werden immer kürzer

Doch um zu erklären, warum sich in gerade mal anderthalb Jahrzehnten unsere Welt tiefgreifender veränderte, als vorher in Jahrhunderten, muss man einen Blick auf die Technik und deren Entwicklung werfen.

Gerade Handys und Computer entwickeln sich rasend

Gerade einmal gut zehn Jahre Entwicklung liegen hier auf einem Haufen. Nirgendwo zeigt sich die schiere Rasanz der Digitalisierung besser, als bei den Enwicklungszyklen der Handys.

Und hier geben die Entwicklungszyklen die Schlagzahl des Marsches in die Zukunft vor. In der „digitalen Steinzeit“, genauer gesagt 1965, sagte der spätere Mitbegründer des Chipherstellers Intel, Gordon Moore, voraus, dass sich die Rechenleistung von Prozessoren in einem bestimmten Zeitraum immer wieder verdoppeln werde – das sogenannte Moor’sche Gesetz. Genauer gesagt stellte er die These auf, dass sich die Zahl von Transistoren auf Chips alle 18 Monate verdoppeln würde. Und er behielt für die nächsten 50 Jahre Recht – auch wenn einige das physikalisch bedingt baldige Ende seiner Theorie voraussagen.

Noch aber trifft das Moor’sche Gesetz zu – und das hatte zur Folge, dass die Rechenleistungen in den vergangenen Jahrzehnten geradezu aberwitzige Sprünge vollzogen. Hier mal ein Blick allein auf die wichtigsten Punkte der vergangenen 20 Jahre:

  • Ende 1995 stellt Intel seinen Pentium MMX vor – mit bahnbrechender Taktfrequenz von bis zu 233 MHz
  • Im März 2000 vermeldet das Fachmagazin Chip, dass AMD den ersten Prozessor mit 1GHz ausliefert
  • 2002 stellt Microsoft einen PC ohne Tastatur vor – und nennt ihn „Tablet PC“ – scheitert damit aber.
  • Im gleichen Jahr bringt Handy-Gigant Nokia seinen Communicator 9210i auf den Markt – schon damals als Smartphone bezeichnet und mit integriertem 14,4kbit/s Modem und 52MHz-Prozessor üppig ausgestattet.
  • Ab 2006 setzten sich bei den PCs Mehrkernprozessoren durch – solche mit nur einem Kern produzierten oberhalb von 4GHz zu viel Abwärme.
  • 2007 bringt Apple das iPhone auf den Markt und löst einen Trend aus, der binnen kürzester Zeit Handys mit physischer Tastatur aufs Abstellgleis verbannt. Eine Milliarde iPhones wurden bis heute verkauft.
  • 2010 lanciert Apple seine Interpretation des Tablet-PC – das iPad – und  stattet es mit einem 1GHz-Prozessor aus.
  • Im gleichen Jahr stellt Intel seinen Core-2 Vierkernprozessor vor – mit bis zu 2,83GHz.

2015 haben Smartphones praktisch alle anderen Handyformen vom Markt in Nischen verdrängt – die PC-Rechenleistung liegt bei rund 4GHz.

Groß, schwer und bei seinem Erscheinen der Renner für alle Geeks: Die „Communicator“-Serie von Nokia kann in Anspruch nehmen, die ersten Smartphones produziert zu haben.

Wer diese Zeitleiste aufmerksam durchgelesen hat, der bemerkt vor allem eines: Das Moor’sche Gesetz stimmt genau. Innerhalb von nur 20 Jahren haben sich die Rechnerleistungen von 200MHz auf 4000MHz verzwanzigfacht. Und in den vergangenen Jahren überschlugen sich die Ereignisse: Ein Smartphone, dass 2012 zur Oberklasse zählte, wird heute bestenfalls beim Discounter verramscht. Und die Entwicklung wird immer schneller.

Verbraucher haben hohe Erwartungen

Gleichzeitig steigen aber auch die Erwartungen: Es gab Zeiten, da bewarb Microsoft sein Betriebssystem damit, dass eine Uhr integriert war. Heute sind die Hersteller Opfer ihres Erfolges. Das hat vor allem im Mobilbereich Auswirkungen: Kein Verbraucher ist mehr bereit, Abstriche gegenüber ortsfesten Computern zu machen. Und wer sich anschaut, wie grafisch aufwändig moderne Handyspiele sind, wird dieser Aussage bedingungslos zustimmen können.

Smartphone-Kameras können 2016 mit der Qualität absoluter Profikameras aus dem Jahr 2010 mithalten. Nur eine Erwartung wurde noch nicht erfüllt: Anfang des Jahres veröffentlichte bitkom eine Pressemitteilung. Der größte Wunsch der Smartphone Nutzer ist nach wie vor mehr Akku-Power.

Und an diesem Punkt, wo es um mehr als Rechenkapazitäten geht, hakt die Entwicklung: Akkus arbeiten im Gegensatz zu Prozessoren durch chemische Prozesse. Hier funktioniert Mr. Moore leider nicht.

Die digitale Entwicklung steht erst am Anfang

Und auch wenn die digitale Welt sich rasend entwickelt, stehen wir nur auf der Spitze des Eisbergs und halten buchstäblich einen Zeh ins Wasser. Der nächste große Schritt ist nämlich Vernetzung – die Verdrängung des Einzelgeräts hin zur vollständigen Konnektivität von „allem mit allem“. Schon heute werden Smartphones als Steuerungszentrale gebraucht: Sei es als Musiklieferant für das Autoradio, Fernbedienung für den Fernseher oder Mutterschiff des Fitnessarmbands oder der Smartwatch. Dass da auch im gigantischen Bereich des Smart Home (eine weitere Entwicklung, die erst begonnen hat) ohne Handy vieles nicht geht, überrascht nicht.

Wo es an die Privatsphäre geht, endet die Technik-Toleranz: Kaum jemand würde eine Chip-Pille schlucken, die dem Arzt ein Signal sendet, wenn sie im Magen angekommen ist.

Auch Fernseher werden heute nicht mehr mit einem analogen Signal versorgt, sondern sind ebenfalls vollumfänglich webfähig – und geeignet, sich ihre Medien via Vernetzung von überall her zu holen, seien es Festplatten, Bluray-Spieler oder abermals Handy und Tablet.

Wo es an die Privatsphäre geht, endet die Technik-Toleranz: Kaum jemand würde eine Chip-Pille schlucken, die dem Arzt ein Signal sendet, wenn sie im Magen angekommen ist.

Doch nicht alles, was die Zukunft bringt, ist rosig: Künftig könnten Medikamente mit Chips ausgestattet sein, die von Magensäure aktiviert werden – Ärzte könnten damit Einnahmezeitpunkte genau dokumentieren – und jubeln deshalb. Datenschützer schlagen hingegen die Hände über dem Kopf zusammen und fürchten einen gläsernen Menschen, dem die Krankenkassen Zahlungen verweigern könnten, weil er seine Medikation nicht wie vorgeschrieben einnimmt - nur eine der Schattenseiten.

Modernes Entertainment

Doch weg von Pros und Contras der Digitalwelt muss ein Blick auf den Ist-Zustand erlaubt sein. Und hier ist, allen anderen Anwendungen zum Trotze, die Unterhaltung das, was für die allermeisten im Fokus steht. Im Zentrum dieses Hypes: Virtual Reality (VR = Künstliche Realität) und Augmented Reality (AR = Verstärkte Realität).

Absolut jedes Videospiel erschafft eine virtuelle Realität. Bloß: Angesichts der Entwicklung von VR-Brillen dürften die Tage des Monitors bald gezählt sein.

Virtual Reality

Absolut jedes Videospiel erschafft eine virtuelle Realität. Bloß: Angesichts der Entwicklung von VR-Brillen dürften die Tage des Monitors bald gezählt sein.

Die virtuelle Realität gibt es schon so lange, wie es Computerspiele gibt. Schon das selige „Pong“ aus den 1970ern, das mit wenig mehr als zwei verschiebbaren „Paddeln“ ein Tennismatch simulierte, erschuf eine künstliche Realität. Heute ist freilich sehr viel mehr Aufwand vonnöten – es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass einer der treibenden Motoren hinter der explosionsartigen Vermehrung der Rechenleistungen die Spieleindustrie ist. Wobei dies als „Huhn-Ei-Szenario“ interpretiert werden könnte: Nutzen die Spieleprogrammierer die vorhandenen Rechenleistungen oder passten die Chip-Entwickler sich den Forderungen der Gamer an?

Gamingbranche bietet enormes Potenzial

Wie angesprochen, bietet vor allem die Spielebranche die breiteste Basis für VR. Dies, weil absolut jedes Spiel eine virtuelle Realität aufbaut – sei es Golf-Simulator, Strategiespiel oder First-Person-Shooter.

Der neueste Trend geht jedoch weg vom bloßen Bildschirm, auf den der Spieler blickt: VR-Brillen, das zeichnet sich ab, sind die Zukunft des Spielens. Bei diesen Geräten sitzt der Bildschirm wie eine Brille vor den Augen – keine „echte“ Realität lenkt mehr von der Virtuellen ab. Das ermöglicht ein viel tieferes Spielerlebnis – birgt aber natürlich auch Gefahren. Etwa die, nach einer gewissen Zeit zu tief in dieser künstlichen Realität zu stecken.

Durch das Ausschalten sämtlicher Störfaktoren und die Möglichkeit eines 360°-Erlebnisses bieten VR-Brillen ungeahnte Möglichkeiten – nicht nur fürs Gaming.

Gleichzeitig profitiert die Branche auch von den weiterhin rasant steigenden Leistungen der mobilen Geräte. Schon heute müssen sich Smartphones in der Rechenleistung nicht mehr hinter „echten“ Computern verstecken. Das ermöglicht es, ohne Umwege Spiele mobil zu machen.

Weitere Möglichkeiten für Virtual Reality

Allerdings wäre es vermessen, die einzigen Anwendungsbereiche für Virtual Reality im „Daddeln“ zu verorten. Denn VR kann viel mehr. Beispielsweise sind wir heute an einem Punkt, an dem Simulatoren bei der Pilotenaus- und weiterbildung reale Flugstunden vollständig ersetzen können.

VR verändert auch den Journalismus: Schon gibt es die neue Sparte des Inversive Journalism, bei dem der Leser nicht distanziert über ein Ereignis liest, sondern per VR-Brille mittendrin ist.

In der Medizin hilft Virtual Reality nicht nur beim Erlernen von Operationstechniken, sondern unterstützt auch Psychologen bei ihrer Arbeit: Patienten mit Angststörungen können so in einer kontrollierten Umgebung mit ihren Psychosen konfrontiert werden – ohne das reelle Gefahr bestünde.

Und natürlich kommt auch die Filmbranche nicht zu kurz. Anfang des Jahres machte ein Film Furore: „Hardcore Henry“ ist auf den ersten Blick nur ein weiterer, übertrieben brutaler Actionfilm. Was ihn aber einzigartig macht: Der Zuschauer erlebt den Film vollständig aus der Ich-Perspektive. Und das macht selbst die sattsam bekannten Feuergefechte extrem dramatisch. Hier mag man sich vorstellen, wie solche Filme, von denen künftig mehr zu erwarten sind, auf einer VR-Brille wirken mögen – die Zukunft wird auf jeden Fall eines: unglaublich realistisch.

Halbzeitpause bei der Bundesliga-Fernsehübertragung: Schon die eingeblendeten Spieldaten sind strenggenommen Augmented Reality, weil sie den Zuschauern vor Ort nicht zur Verfügung stehen.

Augmented Reality

Halbzeitpause bei der Bundesliga-Fernsehübertragung: Schon die eingeblendeten Spieldaten sind strenggenommen Augmented Reality, weil sie den Zuschauern vor Ort nicht zur Verfügung stehen.

Um die verstärkte Realität zu verstehen, genügt ein Blick in die Vergangenheit: Erinnern Sie sich, als sie die erste Sportveranstaltung im TV sahen, bei der Zeiten oder Spielstände eingeblendet wurden? Damals haben Sie erstmalig AR am eigenen Leib erlebt. Im Gegensatz zu VR kreiert Augmented Reality keine neue Realität, sondern reichert die Vorhandene um Informationen an – das kann der Spielstand sein, oder ein in die Frontscheibe eingeblendeter Richtungspfeil des Navigationssystems.

Und auch hier wird uns die Zukunft so einiges bescheren. Den Anfang machte Google mit seiner „Glass“-Brille. Doch diese Erfindung war nur der erste Schritt. Künftig wird es möglich sein, sich in Museen über ähnliche Geräte zu jedem Ausstellungsstück Informationen einblenden zu lassen – mit der gleichen Natürlichkeit, mit der wir diese heute über Kopfhörer beziehen.

In Firmen könnten künftig Arbeiter durch Augmented Reality auf dem kürzesten Weg zu einem eingelagerten Produkt gelotst werden. Und in der Medizin hätten Chirurgen bei einer OP jederzeit die Vitalwerte im Blick – ohne die Augen abwenden zu müssen. Gleiches auch bei der minimalinvasiven Chirurgie, die mit Hilfe von VR-Brillen dem Operateur ermöglicht, seine Arbeit so zu sehen, als wenn er den Patienten klassisch aufgeschnitten hätte.

Überall, wo etwas in die Realität eingeblendet wird, wird sie verstärkt. So auch bei Pokémon GO, bei dem die Realität via Handykamera aufgenommen und aufs Display gesetzt wird.

Phänomen Pokemon Go

Überall, wo etwas in die Realität eingeblendet wird, wird sie verstärkt. So auch bei Pokémon GO, bei dem die Realität via Handykamera aufgenommen und aufs Display gesetzt wird.

Eigentlich könnte man glauben, dass AR in der virtuellen Spielewelt keine große Bedeutung hätte -  diese Ansicht wird von Pokémon GO Lügen gestraft. Das Spiel, das momentan Millionen begeistert und ebenso hohe Umsätze beschert, läuft nämlich auf dem Handy – und nutzt dessen Kamera, um auf die reale Welt, die im Display angezeigt wird, die kleinen Monster zu projizieren. Und das ist einerseits AR in Reinform, andererseits auch ein erster Ansatz, wie Augmented und Virtual Reality verschmelzen können.

Heutiges Einkaufen

Auch unser Einkaufsverhalten hat sich radikal verändert. Fragen Sie sich selbst: Wie oft kaufen Sie heute von der Couch aus – wo Sie früher hätten weite Wege in Kauf nehmen müssen?

Online-Shopping – Schön längst vertraut?

Der Online-Kauf ist heute nicht mehr wegzudenken. Vor allem, weil es eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ist:

  • Der Kunde kann ohne Ladenschlusszeiten bequem von zuhause shoppen und hat die Möglichkeit, Shops beliebig  und blitzschnell zu wechseln und zu vergleichen.
  • Händler müssen keine teuren Ladengeschäfte anmieten und sparen auch bei den Personalkosten. Das wiederum ermöglicht Preissenkungen, von denen der Kunde profitiert.

Außerdem senkt E-Commerce, so der Fachbegriff, die Schwelle, ein Unternehmen zu eröffnen. Heute kann jeder mit Baukasten-Systemen einen eigenen Webshop erstellen und im Nebenerwerb betreiben – vor 15 Jahren undenkbar. Gleichzeitig macht eine stark erweiterte Produktfotografie einem letzten Vorteil der Ladengeschäfte Konkurrenz: Die Möglichkeit, Waren mit eigenen Augen sehen und auch anfassen zu können: Auch hier hält 3D langsam Einzug.

Online-Supermarkt und Lieferservice

Faktisch macht Onlinekauf heute vor keiner Branche mehr Halt. Von der kleinsten Schraube bis hin zur Einbauküche nach Maß gibt es im Web nichts, was es nicht gibt. Und allmählich bröckelt auch eine letzte Bastion des Ladengeschäfts: Der Kauf von Lebensmitteln.

Zum einen bieten heute immer mehr Ketten Lieferservices an. Das ist erst mal für alle praktisch, die:

  • wenig Zeit zum Einkaufen haben
  • weit weg von der nächsten Filiale leben
  • durch Gebrechen am Vor-Ort-Einkauf gehindert werden

     

Für die meisten ist Online-Shopping einfach nur bequem. Für Senioren und Behinderte kann es jedoch der Schlüssel zu einem selbstständigen Leben ohne Fremdhilfe sein.

Das kommt beispielsweise dem klassischen „Rentner auf dem Land“ zugute: Früher wäre der auf andere angewiesen gewesen, die in zum Supermarkt bringen. Heute kann er alles an die Haustür liefern lassen.

Doch auch zu dieser Einkaufsform gibt es bereits Alternativen, weil dabei meist größere Lieferzeitfenster vonnöten sind. So haben sich kürzlich Abholservices entwickelt, die zwischen Webkauf und Ladengeschäft rangieren: Der Kunde stellt online seinen Warenkorb zusammen und wählt einen Markt, in dem er die Waren abholen will. Dort wird alles zusammengestellt, der Käufer muss nur noch abholen. Das spart vor allem Zeit: Berufstätige können beispielsweise in der Pause alle Einkäufe erledigen und müssen sie nach Feierabend nur noch abholen.

Das wiederum zeigt: Die Zukunft wird noch komfortabler und ermöglicht es auch in infrastrukturarmen Gebieten, ohne Verzicht leben zu können.

Apps, Punktesysteme, bargeldloses Bezahlen

Doch selbst, wer sich noch selbst ins Geschäft begibt, kommt heute nicht mehr ohne Technik aus. Es fängt schon beim Bezahlen an: Wo bekommen wir Bares her? Aus dem Automaten – nicht mehr vom Bankangestellten. Und wenn an der Kasse die Karten gezückt werden, ist die Sachlage noch eindeutiger.

Aber auch hier mischt bereits das Handy mit: Mobile Payment macht das Smartphone zur Kreditkarte. Es funktioniert über Apps der jeweiligen Services und entbindet den Kunden davon, Portemonnaie und Co. mitzuschleppen. Obendrein verhilft es auch den alten Rabattmarken zu neuem Glanz: Praktisch jeder dieser Anbieter hat Treuepunkte oder Rabattprogramme im Angebot – bei jedem Bezahlvorgang werden abhängig von der Summe Punkte gutgeschrieben und können eingelöst werden.

Was jedoch wie eine Geste der Kundenbindung wirkt, ist freilich ebenso im Sinne des Händlers kalkuliert und für Datenschützer der Super-GAU: Die Anbieter bekommen dadurch detaillierte Informationen über das Kaufverhalten der Kunden – für die Werbung wertvoller als Gold, denn es ermöglicht zielgerichtetes Bewerben ohne Streuverluste.

So verändert der digitale Wandel Wirtschaft und Gesellschaft

Wo sich auf der persönlichen Ebene durch die Technik so viel gewandelt hat, bleibt natürlich auch unsere Gesellschaft an sich nicht unberührt.

Ohne Computer funktionieren heute auch althergebrachte Handwerksberufe nicht mehr und sei es nur zur Vereinfachung von Berechnungen.

Keine Branche bleibt analog

Ohne Computer funktionieren heute auch althergebrachte Handwerksberufe nicht mehr und sei es nur zur Vereinfachung von Berechnungen.

Es beginnt in der Berufswelt: Welcher Job kommt heute noch ohne Computer aus – selbst wenn es sich dabei nur um Rechnungserstellung und Buchführung handelt? Natürlich nimmt das einerseits eine Menge Arbeitslast von den Schultern. Andererseits macht es uns aber auch technikabhängig.

Fahrradkuriere gehören ebenso zu einer aussterbenden Gattung wie Paketfahrer und Postboten: Ginge es nach den Dienstleistern, würden schon morgen all diese Jobs durch Drohnen ersetzt werden.

Profitiert die Welt vom stetigen Fortschritt?

Und nirgendwo zeigt sich diese Abhängigkeit besser als in den Schattenseiten der vielgelobten Digitalisierung. Schon weiter oben im Text war etwas versteckt (weil als Vorteil deklariert) schon eine solche, mögliche Negativseite zu lesen: Es ging um die nicht mehr vorhandene Notwendigkeit, Verkaufspersonal und Ladengeschäfte zu unterhalten. In einigen Städten der Republik greift das Ladensterben schon gravierend um sich. Generell zeigen die Zahlen: Der Einzelhandel schrumpft, je bedeutungsvoller der Internethandel wird.

Jobs und Berufe, die künftig vielleicht überflüssig werden

Doch der Handel ist nur eine Seite der Medaille, denn so wie hier Stellen vernichtet werden, werden an anderer Stelle welche geschaffen – die Branche der Paketdienstleister beispielsweise explodiert seit einigen Jahren geradezu. Dennoch: Allein in Deutschland sehen Experten vier Millionen Arbeitsplätze bedroht. Der genannte Paketauslieferer beispielsweise wird mittelfristig mit Sicherheit durch Drohnen ersetzt werden. Zudem gilt auch: Überraschenderweise sind es nicht nur Stellen mit niedriger Bildung, die gefährdet sind, oft ist auch das genaue Gegenteil der Fall:

Spezialisten und Arbeitskräfte mit speziellen Kompetenzen haben hingegen Vorteile

Doch so unsicher einige Berufe mit fortschreitender Digitalisierung auch werden, einige sind es nicht. Und führend dabei sind Jobs aus zwei großen Oberkategorien:

  1. Kreativberufe
  2. Soziale Kompetenz

Natürlich können Computer einen Unterricht bereichern, die Lehrkräfte ersetzen können sie jedoch kaum. Zu persönlich ist der Beruf – wie alle, die mit Sozialkontakten zu tun haben.

Natürlich können Computer einen Unterricht bereichern, die Lehrkräfte ersetzen können sie jedoch kaum. Zu persönlich ist der Beruf – wie alle, die mit Sozialkontakten zu tun haben.

Das bedeutet beispielsweise: Werbetexter, bei denen es auf ein hohes Maß an kreativem Denken ankommt, werden auch in Zukunft noch ein sicheres Auskommen haben. Gleiches gilt auch für Sicherheitsfachleute, die ein gutes Menschengespür aufweisen müssen – den Bodyguard-Roboter werden wir ebenso wenig sehen wie den Computer-Chefredakteur oder den Kindergärtner mit Chip im Gehirn. Generell schlecht durch Technik substituierbar sind:

  • Gesundheitsberufe
  • Rechtsberufe (Richter, Anwälte usw.)
  • Lehrberufe
  • Kaufmännische Berufe (ohne Groß- und Einzelhandel)
  • Pflegeberufe
  • Verwaltungsberufe

Die Digitalisierung ist in ihren Auswirkungen mit der Industrialisierung vergleichbar. Doch wie sie hat auch die neue Technikwelt nicht zur Sonnenseiten – das zeigt sich im Jugendwort des Jahres 2015: „Smombie“ – Menschen, die wie Zombies durch die Gegend schleichen und dabei nur das Smartphone im Blick haben.

Fazit und Ausblick

Die Digitalisierung ist in ihren Auswirkungen mit der Industrialisierung vergleichbar. Doch wie sie hat auch die neue Technikwelt nicht zur Sonnenseiten – das zeigt sich im Jugendwort des Jahres 2015: „Smombie“ – Menschen, die wie Zombies durch die Gegend schleichen und dabei nur das Smartphone im Blick haben.

Die Technisierung hat binnen anderthalb Jahrzehnten unsere Welt ganz gehörig auf den Kopf gestellt. Das hat mannigfaltige positive Auswirkungen – jedoch auch eine Menge Schattenseiten. Wie jeder große Umbruch in der Geschichte der Menschheit halten sich bei der Digitalisierung Wohl und Wehe die Waage und es obliegt uns als Gesellschaft, als Steuerzahler, und als Konsumenten, das Beste daraus zu machen. Welche Techniken uns die Zukunft noch bringen wird, ist angesichts der rasanten Entwicklung kaum absehbar. Fest steht jedoch: Ohne Digital geht nichts mehr.


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