Weiterbildung im Handwerk: Warum ist das so wichtig?

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Gewisse Rahmenbedingungen im Handwerk ändern sich selten – aber die Details, die sind es, die ständigen Wandel unterliegen. Und hier ist es immens wichtig, immer am Ball zu bleiben.

Handwerker sämtlicher Berufe kommen heute ohne regelmäßige Fortbildung im Berufsleben nicht mehr voran. Doch warum genau ist Weiterbildung so wichtig?

Ob Elektriker, Automechaniker, Dachdecker oder Maurer: Fast jeder Handwerker in Deutschland kann ein Lied davon singen, wie schnell und regelmäßig neue Techniken, neue Verfahren, neue Normen in den Beruf drängen. In manchen Sparten sorgt diese Geschwindigkeit dafür, dass ehemalige Auszubildende, die nicht sofort ins gelernte Handwerk einstiegen, schon nach wenigen Jahren kaum noch vermittelbar sind – weil das aktuelle Wissen fehlt. Und wer viele Jahre im gleichen Betrieb ohne Fortbildung arbeitete, der steht schnell in Verdacht, „betriebsblind“ zu sein und nur über wenig breitgestreutes Wissen zu verfügen.

Weiterbildung ist hier der Schlüssel der gesamten Branche. Und das aus einer ganzen Reihe von Gründen, die der folgende Artikel etwas näher erläutern will. Und zusätzlich sollen auf den folgenden Zeilen auch Möglichkeiten stehen, wie sich Handwerker fortbilden können, ohne sich die kostbaren Wochenenden in Lehrsälen um die Ohren zu schlagen.

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1. Grund: Arbeitsmarkt

Das Problem ist branchenübergreifend: Stellen sind heute längst nicht mehr so sicher wie noch vor einem oder zwei Jahrzehnten. Nicht selten stehen ganze Berufsschulklassen am Ende der Ausbildung erst einmal ohne Job dar, weil ihre Ausbildungsbetriebe sie nicht übernehmen können.

Und selbst wer viele Jahre in ein und derselben Firma arbeitete, hängt mit seinem Berufswissen oft anderen Handwerkern hinterher. Der Grund: Kaum ein Unternehmen ist in sämtlichen Bereichen seines Handwerks stets auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik. Umgekehrt unterliegt aber fast jeder Handwerker heute einer geringeren Arbeitsplatzsicherheit. Das bedeutet, wer von heute auf morgen arbeitslos wird und in seinem Lebenslauf keine regelmäßigen und umfassenden Fortbildungen nachweisen kann, wird es bei der Jobsuche zunehmend schwer haben. Denn die Firmen, die Stellenausschreibungen schalten, wollen verständlicherweise für ihre Jobs die Handwerker mit dem umfassendsten Wissen einstellen.  Das bedeutet, selbst wer in einem Unternehmen mit randvollen Auftragsbüchern arbeitet und beim Thema Arbeitslosigkeit momentan nur schmunzelnd den Kopf schütteln kann, sollte sich dennoch regelmäßig fortbilden. Denn niemand kann die Zukunft voraussagen und wissen, ob es dem Arbeitgeber in einigen Jahren immer noch so gut gehen wird, wie heute. Rolf Schäfer von der HWK Ulm formuliert es im Interview mit der Deutschen Handwerkszeitung noch spitzer: „Nur mit einer konsequenten Weiterqualifikation ihrer Beschäftigung können sie sich ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern“.

Und dieses Prinzip gilt auch für Auszubildende, die nach der Lehre vom Betrieb übernommen werden. Natürlich, ein frischgebackener Geselle hat durch Handwerkskammer-Kurse und die Berufsschule viel brandaktuelles Wissen in den vergangenen Jahren erlernt. Aber auch dieses Wissen stellt nur eine Momentaufnahme dar – denn Handwerk befindet sich immer im Wandel.  

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2. Grund: Leistungsoptimierung

Um diesen Punkt näher zu begründen, sind zwei Beispiele nötig, die so fast überall in der Bundesrepublik vorkommen könnten:

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Ohne üppige Elektronik kommt heute kein Auto mehr aus. Firmen, die hier keine sicher geschulten Mechaniker haben, verlieren atuomatisch ihre Kunden.

1.

Eine nicht markengebundene Autowerkstatt am Stadtrand. Schon heute rollen auf Deutschlands Straßen laut dem Deutschlandfunk rund 100000 Hybridfahrzeuge, die neben dem Verbrennungsmotor auch über einen Elektromotor samt Batterien und Hochspannungs-Anschlusstechnik verfügen. Nicht alle deren Besitzer möchten das ganze Autoleben über damit in die Markenwerkstatt fahren – oft genug aus Preisgründen. Was nun, wenn ein solcher Kunde auf einmal am Tresen der eingangs genannten Werkstatt steht und sich im ganzen Betrieb kein Mechaniker finden lässt, der sich mit den Eigenheiten dieses Fahrzeugtyps auskennt? Der Kunde ist weg, eine Einnahmequelle versiegt und oft genug wird auch Mund- und Webpropaganda dafür sorgen, dass künftig keine potenziellen Kunden mit Hybrid- und Elektrofahrzeugen den Weg auf den Hof finden – es ist ja bekannt, dass die Werkstatt hier nicht helfen kann.

 
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Das vernetzte Smart Home ist heute ein Standard, den jedes Elektrounternehmen sicher beherrschen muss.

2.

Ein kleiner Elektrobetrieb in Familienbesitz. Der Geschäftsführer und seine Söhne leben seit Jahren gut davon, Waschmaschinen zu reparieren, Lampen zu wechseln und Satellitenantennen zu justieren. Von modernen Smart-Home-Technologien mit BUS-Systemen haben alle drei aber keine Ahnung. Auch, weil hier, wie von der „Welt“ beklagt, viele unterschiedlichen Standards nebeneinander existieren. Nun ruft ein langjähriger Kunde an, der bei der Komplettsanierung seines Altbaus aber genau ein solches BUS-System integriert haben will, damit er von der Beleuchtung bis zur Heizung alles über sein Smartphone steuern kann. Hier ist die Folge die gleiche wie bei der Autowerkstatt: Der Kunde muss abgewiesen werden und die Botschaft vom Elektrobetrieb, der bloß Lampen wechseln kann, wird schnell die Runde machen.

Diese beiden Beispiele sollen zeigen, dass Betriebe jeglicher Größenordnung nicht umhin kommen, das Wissen ihrer Handwerker kontinuierlich dem Fortschritt der Technik anzupassen. Dies vor allem, um auch momentan noch ausgefallenen, aber bald standardmäßigen Kundenwünschen gerecht zu werden. Denn so schnell, wie sich heute über soziale Netzwerke und Bewertungsportale die Meinungen unzufriedener Kunden verbreiten, kann kein noch so hochwertiges „Brot und Butter“-Handwerk dagegen ankämpfen. Und umgekehrt kann eine Firma, deren Leute durch Fortbildungen andauernd am Puls der Zeit liegen, natürlich auch damit Werbung machen und sich so von der Konkurrenz scharf abheben – und damit Verdienste generieren. Fortbildung ist also kein Luxus, sondern eine echte Investition in die Zukunft des Betriebs sowie praktizierte Kundengewinnung und –pflege.

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Fortbildungsmöglichkeiten

Der Beweis, dass Fortbildung dringend notwendig ist, wurde bereits erbracht. Stellt sich nun die Frage, in welcher Form dies geschehen soll. Und hier lautet die Antwort: Das „Wie“ ist zweitrangig. Warum? Ganz einfach: Wichtig ist vor allem, dass das Wissen und die neuen Kenntnisse überhaupt von Handwerkern erlernt werden.

Erste Anlaufstelle ist für viele Betriebe und vor allem deren Meister natürlich die jeweils zuständige Handwerkskammer. Dort laufen quasi die Nabelschnüre sämtlichen Wissens an einem zentralen Punkt zusammen – laut Eigenauskunft sind die HWKs der größte Weiterbildungsanbieter der Republik. Und hier wird Fortbildung sowohl in Theorie als auch Praxis vermittelt. Ein ganzheitlicher Ansatz also – aber mit dem Nachteil, dass die Kurse in den überwiegenden Fällen unter der Woche abends und an den Wochenenden stattfinden. Das schreckt viele Handwerker ab, die jeden Tag volle Leistung bringen und ihren Feierabend und die Wochenenden nicht noch in Klassenräumen verbringen wollen. Die HWK-Fortbildung hat daher vor allem Sinn, wenn es unumgänglich ist, dass neues Wissen praktisch am Objekt erlernt wird.

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Dabei existieren, Digitalisierung sei Dank, auch Fortbildungsmöglichkeiten, die bequem von der Couch oder dem Pausenraum aus realisiert werden können – und dabei auf theoretischer Ebene ebenso pragmatisch das Wissen vermitteln können, wie ein Samstag im Klassenraum. Für das Elektrohandwerk ist die Firma Hager Ansprechpartner. Ihre Web Based Trainings richten sich an sämtliche Elektriker vom Azubi bis zum Meister. Und analog dazu existieren für viele andere Handwerke ebenfalls Anbieter, die alle ein Ziel haben: Fortbildung übers Internet.

Der große Vorteil: Viele halbstündige Onlinekurse, die nach Feierabend oder in der Pause am PC erledigt werden, liefern das gleiche Wissen, wie ein oder mehrere Tage im Klassenraum – aber ohne die Nachteile in Sachen Freizeit. Diese Maßnahmen reichen auch in vielen Fällen vollkommen aus, um die eigenen Kenntnisse am Puls der Zeit zu halten. Allerdings: So gut die Online-Kurse auch sein mögen, sie können kein praktisches Wissen vermitteln. Das muss bei wirklich wichtigen Entwicklungen nach wie vor in einer Einrichtung geschehen. Jedoch können Online-Fortbildungen auch hier zumindest die Vor-Ort-Zeit reduzieren, da die Theorie bereits im Vorfeld erlernt wurde.

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Um für alle Bewerbungs-Eventualitäten gerüstet zu sein, sollten Fortbildungsnachweise analog und digital gespeichert werden.

Weiterbildung und Nachweisbarkeit

Von geradezu zentraler Bedeutung jeder Weiterbildungsmaßnahme ist, dass sie dokumentiert wird. Nur Fortbildungen, die durch Zeugnisse und Unterlagen nachgewiesen werden können, sind bei der Jobfindung von Belang. Daher sollte jede Maßnahme, auch die kleinste, die Online getätigt wurde, ausgedruckt und an zentraler Stelle gesammelt werden. Als zusätzliche Sicherheit bietet es sich zudem auch für weniger Computer-affine Handwerker an, die Unterlagen einzuscannen und auf einem Speichermedium (externe Festplatte, USB-Stick etc.) gesichert aufzubewahren. Damit ist eine zukünftige Nachweisbarkeit auch nach Bränden oder anderen Katastrophen gewährleistet. Und zusätzlich sind die Unterlagen für die immer beliebter werdenden Online-Bewerbungen – mehr dazu lesen Sie hier – schon in digitalisierter Form vorhanden.

Fazit

Weiterbildung ist Trumpf – sowohl für Betriebe, die durch umfassende Kenntnisse ihrer Mitarbeiter den Kundenkreis vergrößern und dessen Wünsche befriedigen können, als auch für den einzelnen Handwerker, der für den Arbeitsmarkt attraktiv bleiben möchte. Wichtig ist es, dass Weiterbildung nicht nur als Problem junger Handwerker gesehen wird: Auch ein Altgeselle mit lebenslanger Berufserfahrung kann immer noch Neues dazulernen. Dabei können die Möglichkeiten des Internets zumindest auf theoretischer Ebene eine vollkommen adäquate Alternative zur klassischen Klassenraum-Fortbildung darstellen. Dabei gilt immer der Leitsatz: Handwerk befindet sich in einem steten Wandel und nur der, der dem Wandel folgt, bleibt ein guter Handwerker.


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