Wasen oder Wiesn?

Oktoberfest oder Cannstatter Wasen - Das sind die Unterschiede

Wasen oder Wiesn? Der Süden wird auch in diesem Jahr zweigeteilt sein. Der Cannstatter Wasen und das Oktoberfest in München bezeichnen sich zwar nicht als Konkurrenten, doch bei ihrem Publikum gibt es klare Tendenzen und Vorlieben. Doch was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Volksfesten? Wir haben einen genauen Blick darauf geworfen.

Der Bierpreis

Ein wichtiges Argument für die Besucher bleibt der Bierpreis. Auf beiden Festen ist dieser in den vergangenen Jahren deutlich in die Höhe gestiegen. Die Veranstalter führen dies zwar stets auf die Inflation zurück, doch diese würde bei weitem nicht ausreichen, um die Kosten in solche Höhen zu treiben. Im Jahr 2017 mussten die Besucher in München im Schnitt etwa 10,90 Euro für ein Maß Bier bezahlen. Dies führte wieder einmal zu leichten Protesten von Seiten der Besucher. Letztendlich war es für die Veranstalter und Festzelte am Ende dennoch möglich, sich über erneut starke Besucherzahlen zu freuen, die den eigenen Erwartungen wohl gerecht werden.

Auf dem Wasen in Cannstatt bewegten sich die Preise zuletzt auf einem etwas niedrigeren Niveau. Dennoch mussten die Besucher zuletzt etwa 10,50 Euro pro Maß bezahlen. Eine wirkliche Ersparnis im Vergleich zur Wiesn kann deshalb nicht ausgemacht werden. Zudem liegt der Bierpreis in den einzelnen Zelten in Stuttgart sehr nahe beieinander. So hilft noch nicht einmal eine bedachte Auswahl des eigenen Platzes, um den hohen Kosten vielleicht noch von der Schippe zu springen.

Die Trachtenmode

Bereits seit vielen Jahren spielt die Wiesn für die Trachtenmode in Deutschland eine große Rolle. Viele Menschen besitzen nur deshalb Dirndl oder Lederhosen, weil sie diese auf dem Münchner Oktoberfest tragen möchten. In der Praxis war München deshalb maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung der Trachten in Deutschland. Klassische Assoziationen beziehen sich sofort auf die etwas modifizierte bayrische Tracht, wie sie auch in diesem Jahr auf der Wiesn getragen wird. Passende Angebote für Dirndl sind nicht nur in München selbst, sondern auch hier zu finden.

Auf dem Cannstatter Wasen war es über viele Jahre hinweg nicht üblich, in Tracht zu erscheinen. Stattdessen entwickelte sich das Fest aus einer landwirtschaftlichen Messe, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch das württembergische Königshaus ins Leben gerufen wurde. Lediglich die Trachten der Landwirte spielen somit in der klassischen Vorlage eine Rolle. Im Laufe der Zeit wuchs jedoch der Einfluss des Oktoberfests, der sich heute schnell bei einem Blick in die Besuchermenge offenbart. Dort sind sehr viele bayrische Trachten zu finden, die längst das optische Bild dominieren. Viele Festzelte gewähren Gästen sogar eher Einlass, wenn sie nicht in einfacher Alltagskleidung dort erscheinen. Somit steht der Cannstatter Wasen dem Oktoberfest hier in nichts mehr nach.

Die verfügbaren Stände

Doch nicht nur die Festzelte selbst sind ein Grund dafür, weshalb sich so viele Menschen in Süddeutschland auf den Wasen oder die Wiesn freuen. Komplettiert wird das Angebot durch eine große Zahl an verschiedenen Ständen, wo die Besucher Leckereien genießen können. Im Warenverkauf sind in München 605 einzelne Anbieter registriert. Damit steht den Besuchern ein rekordverdächtiges Angebot zur Verfügung, bei dem sie aus den Vollen schöpfen können. Für jegliche Wünsche findet sich ein passender Verkäufer, zu dem nur der Weg durch das dichte Gedränge gebahnt werden muss.

Ein erheblicher Unterschied zeigt sich hier zum Cannstatter Wasen. Hier standen im vergangenen Jahr allein 58 verschiedene Betriebe für die Besucher zur Verfügung. Gerade in dieser Kategorie ist das Angebot aus diesem Grund deutlich eingeschränkt. Die Verantwortlichen äußerten sich bereits dazu, das Angebot in den kommenden Jahren vergrößern zu wollen. Mit Sicherheit handelt es sich hierbei auch um einen Versuch, das wirtschaftliche Potenzial des Wasens gänzlich auszuschöpfen.

Die Spiel- und Fahrgeschäfte

Gerade in München prägten die Fahrgeschäfte schon in den vergangenen Jahrzehnten das Bild des Oktoberfests. Da viele Besucher mehrere Fahrten genießen möchten, wuchs in den letzten Jahren auch das Angebot. Viele Besitzer eines Fahrgeschäfts haben erkannt, dass es sich trotz der hohen Standgebühr lohnen kann, die eigenen Zelte für zwei Wochen im München aufzuschlagen. So kam es, dass sich die Offerten auf nun 180 Anbieter verzweigten. Von einfachen Karussells bis hin zur großen Achterbahn, die eigens vor Ort zusammengebaut werden muss, ist inzwischen alles bereitgestellt, was das Herz eines Volksfestfans begehrt.

In Stuttgart ist es ebenfalls gelungen, die Zahl der verfügbaren Fahrgeschäfte in die Höhe zu treiben. In diesen Tagen haben die Besucher an 120 unterschiedlichen Orten die Chance, den kleinen oder großen Nervenkitzel zu erleben. Dabei gibt es einige Highlights, die besonders viel Zuspruch von den Menschen vor Ort erhalten. Dazu zählt zum Beispiel die große Geisterbahn, die mit einer wilden Fahrt in bis zu 30 Metern Höhe überzeugt. Die Silhouette des Volksfestes wird derweil vom großen Freifall-Tower entscheidend beeinflusst. Dort haben die Besucher die Chance, sich zu einem ungewissen Moment aus hoher Höhe zu stürzen.

Die Besucherzahlen im Vergleich

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Oktoberfest würde den Wasen nach Belieben dominieren. Doch inzwischen handelt es sich um zwei große Feste in Süddeutschland, die dazu in der Lage sind, die Massen zu mobilisieren. Der letzte eindeutige Vergleich der Besucherzahlen stammt aus dem Jahr 2013. Experten sind jedoch der Meinung, dass sich an der Relation bis zu diesem Zeitpunkt nichts änderte. Das Oktoberfest kam dabei auf etwa 6,4 Millionen Besucher. Immerhin 4 Millionen Menschen entschieden sich im gleichen Jahr dafür, auf den Wasen zu gehen.

Gleichsam gibt es einen Unterschied hinsichtlich der Herkunft der Gäste. Erhebungen zeigen, dass das Oktoberfest immer mehr zu einer internationalen Attraktion avanciert. so ist zu erklären, dass es eine große Zahl an Gästen gibt, die aus anderen Teilen Europas oder gar von anderen Kontinenten stammt. Sie sehen hinter dem Oktoberfest immer wieder die Chance, die scheinbar authentische deutsche Kultur zu erleben, wie sie ansonsten nur medial vermittelt wird.

Die Zahl der Festzelte

Obwohl die Fläche des Cannstatter Wasens nur wenige Hektar kleiner ist, zeigt sich ein klarer Unterschied im Hinblick auf die gastronomischen Betriebe. In München gibt es stolze 16 Festzelte, die sich um die Gunst der Kunden bemühen. Dennoch ist meist schon Monate eine Reservierung notwendig, um am Ende einen der begehrten Sitzplätze zu erhalten. Folglich kann von einem Andrang gesprochen werden, der das Angebot noch immer übersteigt.

Auf der anderen Seite stehen nur 8 Festzelte auf dem Cannstatter Wasen zu Buche. Obwohl vor Jahren bereits mehr Fläche für Festzelte eingeräumt wurde, ist keine weitere Steigerung in Sicht. Der Fokus scheint beim Wasen insgesamt etwas mehr auf das Treiben außerhalb der Zelte fokussiert zu sein. Nur so ist zu erklären, dass es in der Vergangenheit nicht zu einer größeren Anpassung des Angebots kam. Der Zuspruch von den Besuchern des Fests ist den Verantwortlichen dennoch gewiss, was die Bilanzen aus den vergangenen Jahren mehr als eindeutig belegen.


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