Onlinekauf – So schützen sich Verbraucher!

Wer online einkauft, der sollte wissen, woran er unseriöse Anbieter erkennt. Fotolia.com: Mediteraneo

Das Einkaufen im Internet erfreut sich hierzulande immer größerer Beliebtheit. Mittlerweile kaufen über 41 Millionen Bundesbürger online Waren ein, das sind 65 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Doch wo viel Geld im Umlauf ist, da lauern für die Verbraucher auch Gefahren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sicher online shoppen, welche Rechten und Pflichten Sie dabeihaben, wo die Unterschiede zum Einkauf beim stationären Einzelhandel liegen und woran Sie unseriöse Anbieter erkennen.

Wann ist eine Bestellung im Online-Shop verbindlich?

Der Einkauf in einem Online-Shop ist rechtlich genauso verbindlich wie jener in einem herkömmlichen Geschäft. Das heißt auch hier gehen beide Seiten einen verbindlichen Kaufvertrag ein, der den Käufer verpflichtet einen Preis zu zahlen und den Verkäufer im Gegenzug zur Lieferung der bestellten Ware. Der Online-Kauf setzte sich allerdings aus einem mehrstufigen Prozess zusammen:

  1. Anders als im stationären Handel, muss der Online-Verkäufer seinen vom Gesetzgeber festgelegten Informationspflichten gegenüber dem Käufer nachkommen. Zu diesen Pflichten gehört die Bereitstellung aller Vertragsbedingungen inklusive der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) in Form eines digitalen Dokumentes oder einer Druckansicht. Nur wenn der Käufer die AGB aktiv bestätigt, z.B. indem er an entsprechender Stelle ein Häkchen setzt, gelten diese dem Gesetz nach als angenommen. Ohne die aktive Bestätigung ist der Kauf rechtlich nicht bindend.
  2. In dem Moment, wenn der Käufer den Kaufbutton drückt, erklärt er sich verbindlich bereit die Artikel zu kaufen, insofern diese lieferbar sind.
  3. Der Verkäufer ist dazu verpflichtet, unmittelbar nachdem der Käufer den Button gedrückt hat, den Eingang der Bestellung per E-Mail zu bestätigen. Diese Bestätigungs-E-Mail beinhaltet in aller Regel jedoch noch keine verbindliche Lieferzusage, schließlich hat der Verkäufer das Recht zuerst zu überprüfen, ob die bestellte Ware auch tatsächlich lieferbar ist. Ist die Ware nicht lieferbar, kann der Verkäufer zu diesem Zeitpunkt den Kaufvertrag ablehnen.
  4.  Sind die bestellten Artikel jedoch lieferbar, tritt ein verbindlicher Kaufvertrag in Kraft, indem der Verkäufer den Vertragsschluss in einer weiteren E-Mail bestätigt. Auch der Versand der Waren bzw. die Versandbestätigung gelten als verbindliche Bestätigungen des Kaufvertrages seitens des Onlinehändlers.

Kann ein Online-Kauf rückgängig gemacht werden?

Ja! Denn beim Einkaufen im Internet gilt das Widerrufsrecht. Diese Recht gibt den Verbrauchern die Möglichkeit innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen von dem Kauf zurückzutreten, insofern gewisse Regeln eingehalten werden:

  • Das 14-tägige Frist des Widerrufsrechts beginnt beim Onlineshopping erst mit dem Erhalt der bestellten Waren. Anders bei digitalen Artikeln, die nicht mit einer Hardware geliefert werden, sondern nur in digitaler Form vorliegen, z.B.  Software oder Musikdateien zum Download. Hier beginnt die 14-tägige Frist, wie auch bei allen georderten Dienstleistungen, bereits mit dem Vertragsschluss. 
  • Die 14-tägige Frist beginnt allerdings in allen Fällen erst dann, wenn der Online-Händler den Käufer ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht aufgeklärt hat, sei es per E-Mail oder auf der Webseite des Händlers. Sollte der Verkäufer den Käufer erst zu einem späteren Zeitpunkt über dieses Recht informieren, startet die Frist erst ab diesem Tag. Sollte der Online-Händler den Kunden jedoch überhaupt nicht über dessen Widerrufsrecht informieren, kann der Verbraucher die Ware maximal bis zu einem Jahr und 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurückgeben.
  • Ausgenommen vom Widerrufsrecht sind Lebensmittel und andere leicht verderbliche Waren, Hotelübernachtungen, Pauschalreisen und entsiegelte Datenträger, wie DVDs oder Blu-ray Discs. Auch bei Kaufverträgen zwischen Privatpersonen (z.B. bei ebay) gilt das Widerrufsrecht nicht.

Wer sich auf das 14-tägige Widerrufsrecht bezieht, der kann durch eindeutige Erklärung den Kauf formlos widerrufen: Per E-Mail, Telefonanruf oder per Post. Es empfiehlt sich jedoch Verwendung eines Widerruf-Formular, denn der schriftliche Widerruf dient zugleich der eigenen Dokumentation, die dann wichtig wird, wenn es einmal zum Streit zwischen Käufer und Verkäufer kommen sollte. Nachdem Absenden des Widerruf-Formular bleiben dem Käufer 14 Tage Zeit die Ware zurückzusenden. Für die Kosten der Rücksendung muss der Käufer aufkommen. Spätestens mit dem Erhalt der Ware muss der Verkäufer den Kaufbetrag in voller Höhe zurückerstatten. Übrigens: Wenn die Ware vom Online-Händler defekt geliefert wurde gelten hinsichtlich Gewährleistung und Garantie die gleichen Bestimmungen wie beim stationären Handel.

Vorsicht Fakeshops!

Neben seriösen Online-Shops gibt es auch unseriöse Anbieter, die in betrügerischer Absicht handeln: sogenannte Fakeshops. Ein Fakeshop ist entweder eine Kopie eines tatsächlich existierenden Online-Händlers oder eine erfundene Verkaufsplattform. Durch Vortäuschen günstiger Preise locken die Fakeshops Verbraucher an. Nach Auswahl der vermeintlichen Ware wird der Käufer in aller Regel um Zahlung per Vorkasse gebeten. Dann schnappt die Falle zu! Ist das Geld erst einmal überwiesen, erhält man entweder gar keine oder zumindest minderwertige Waren. Das Problem: Fakeshops erkennt man nicht sofort, denn sie nutzen Kopien des Bildmaterials und der Produktbeschreibungen realer Online-Shops. Auch die AGB und das Impressum werden täuschend echt gefälscht.  Da die Mehrzahl der Fakeshop-Betreiber aus dem Ausland tätig wird, vergehen meist einige Wochen bis es den ermittelnden Behörden gelingt, den falschen Online-Shop zu löschen. Ihr Geld sehen die Verbraucher im Normalfall nie wieder. Es gibt eine Reihe von Indizien, anhand derer man einen Fakeshop identifizieren kann:

  • Das Impressum ist unvollständig oder fehlt gänzlich, die Unternehmensidentität ist unklar.
  • Als Zahlungsmöglichkeiten werden dem Käufer nur die Vorkasse, die Direktüberweisung oder der Versand per Nachnahme angeboten. Seriöse Anbieter ermöglichen in aller Regel auch das Bezahlen per Lastschrift und den Kauf auf Rechnung.
  • Das Konto, auf das der Kaufbetrag überwiesen werden soll, befindet sich im Ausland.
  • Es gibt kaum oder keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme.  
  • Der Web-Browser zeigt in der Adresszeile nicht das übliche Kürzel "https://" an.
  • Zahlreiche Rechtschreibefehler und Grafikfehler
  • Man hat noch nie etwas von dem Online-Shop gehört.
  • Übertrieben positive Kundenbewertungen in großer Anzahl
  • Keine oder eine unzureichende Bestätigung des Kaufes per E-Mail

Um im Zweifelsfall zu überprüfen, ob es sich tatsächlich um einen Fakeshop handelt, sollte man die Website auf Herz und Nieren prüfen:

  • Testanruf: In vielen Fällen ist die angegebene Rufnummer nicht existent oder sie gehört zu einem anderen Unternehmen.
  • Handelsregistereintrag überprüfen: Ein Online-Shop, der laut eigenem Impressum die Rechtsform GmbH, AG, OHG oder UG aufweist, muss im Handelsregister eingetragen sein.
  • Gütesiegel für Online-Händler: Seriöse Institutionen wie der TÜV Süd vergeben Siegel an vertrauenswürdige Online-Shops. Um sicher zu sein, dass dieses Siegel nicht einfach gefälscht wurde, gibt es eine Möglichkeit der Überprüfung: Wenn man auf das im Web-Shop abgebildete Gütesiegel klickt, wird man im Falle dessen Echtheit, auf die Webseite des Gütesiegelbetreibers weitergeleitet, wo einem ein detailliertes Prüfzertifikat angezeigt wird.
  • Der Google-Test: Zu den Pflichtangaben im Impressum gehört neben dem Namen des Unternehmens auch die Postanschrift und eine E-Mail-Adresse. Am besten googelt man diese Angaben und schaut, ob die für das Unternehmen typischen Webeinträge angezeigt werden. Wer außerdem als Suchbegriffe den Namen des Online-Händlers und den Begriff Fakeshop eingibt, wird im Fall der Fälle meist fündig. 
  • Fakeshop-Listen: Webseiten wie Watchlist Internet zählen alle gemeldeten Fake-Shops in Form einer Liste auf.
  • Fake-Bewertungen und -Kommentare identifizieren: Ist ein Produkt erst kurze Zeit erhältlich und hat dennoch sehr viele positive Bewertungen, ist dies ein Anzeichen für einen Fakeshop, genauso die Verwendung von Werbesprache und die Wiederholung identischer Kommentare.

Daten immer verschlüsselt übertragen

Bei der Aufforderung zur Eingabe persönlicher Daten (z.B. Kontoverbindung), sollte von seriösen Anbietern immer eine verschlüsselte Datenverbindung bereitgestellt werden. Ansonsten können diese Daten ausgespäht werden. Eine verschlüsselte Datenverbindung lässt sich daran erkennen, dass in der Adresszeile statt ein „https://“ und nicht bloß „http://“ steht.

Sicher online bezahlen

Beim Online-Bezahlen besteht die Gefahr, durch sogenanntes Phishing ausgespäht zu werden. Meist erhält der Geschädigte dabei eine authentisch wirkende E-Mail, in der er aufgefordert wird, seine Adressaten, Online-Banking-PIN, Kreditkartennummer oder seine Login-Daten für einen Online-Bezahldienst einzugeben.  Dies geschieht in der Regel unter dem Vorwand einer Systemaktualisierung oder eines Prüfungsvorgangs. Hier ist äußerste Vorsicht geboten, denn ein seriöser Online-Händler oder ein vertrauenswürdiger Zahlungsdienstleister würden ihre Kunden niemals dazu auffordern.


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