Indian Summer – Im Herbst in den Nordosten der USA reisen

Rot, Gelb, Orange, Braun und Ocker - das sind die vorherrschenden Farben des Indian Summer. Wer ein einzigartiges Naturschauspiel in all seiner Farbenpracht erleben möchte, ist in den Monaten August bis November im Nordosten der USA bestens aufgehoben. Ein Road Trip durch die Neuenglandstaaten ist längst kein Geheimtipp mehr, den Besucher erwarten fantastische Landschaften, tief in Farbe getaucht. Welche Destinationen sind ein absolutes Muss, um das herbstliche Farbenmeer am besten genießen zu können?


Foliage – Die Künste der Natur

Die Ahornblätter färben sich im Herbst als erste, gefolgt von Haselnuss- und Buchenblättern. In Vermont ist der Bestand an Ahornbäumen landesweit am größten.

Einheimische nennen dieses Naturspektakel schlicht „Foliage“, auf Deutsch „Blattwerk“. Begünstigt wird die bunte Blattfärbung durch extreme Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung. Der Gegensatz zwischen Nachtfrösten und sonnigen, warmen Nachmittagsstunden wird durch die saisonale Großwetterlage bedingt, die in der herbstlichen Jahreszeit durch das Wechselspiel von kalter, polarer Luft und warmen Luftmassen gekennzeichnet ist. Polarluft wird durch die wärmere Luft am Weiterzug gehindert und dadurch langsam aufgeheizt. Schnelle Wetterwechsel kennzeichnen die Region, deren Klima mit mitteleuropäischen Verhältnissen vergleichbar ist. Von nah und fern reisen die sogenannten „Laubgucker“ - die „leaf peeper“, wie sie von den Einheimischen genannt werden - in den Herbstmonaten eigens für dieses Naturschauspiel an, das laut welt.de vor allem die Neuenglandstaaten im Nordosten der USA prägt. Ab August gibt es in allen Neuenglandstaaten eigens eingerichtete Foliage-Infohotlines, die über den Fortschritt und den aktuellen Stand der Blattverfärbung Auskunft geben.

Der „Rausch in Farben“ erscheint in folgendem YouTube-Beitrag über den Indian Summer atmosphärisch dokumentiert:

In den Neuenglandstaaten liegen die Anfänge der englischen Besiedlung im 17. Jahrhundert. Die ersten Siedler wanderten hier ab 1620 ein und begannen das Land urbar zu machen. Erste Kolonien wurden gegründet, das entstehende Boston begann sich zum wichtigsten Hafen und Umschlagplatz für den Warenverkehr zu entwickeln. Die sechs Staaten Connecticut, Maine, Massachusetts, New

Boston ist wie viele andere Städte an der Nordostküste von einem Nebeneinander an Tradition und Moderne geprägt.

Hampshire, Vermont und Rhode Island bilden das Kernland und für lange Zeit politisches wie wirtschaftliches Zentrum der USA, die einsetzende Industrialisierung im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert hat hier ihre Wurzeln.

Der heutige Charakter der Städte ist eher bürgerlich-kleinstädtisch geprägt, inoffizielle Hauptstadt ist das historisch bedeutsame Boston mit mehr als 600.000 Einwohnern. Der Anspruch Bostons Neuengland im Ganzen zu vertreten schlägt sich unter anderem auch im Sport nieder. Die New England Patriots sind eines der NFL-Teams, das entgegen des Trends sich neue Standorte zu suchen, noch immer in seiner Heimatstadt verweilt. So werden Tradition und Regionalität miteinander verbunden.

Wälder, Küsten, Berge, Strände – alles inklusive

Die landschaftliche Vielfalt ist außergewöhnlich, der Bundesstaat Maine beispielsweise verfügt als flächenmäßig größter Neuenglandstaat über rund 6000 Seen und hunderte von Bergen, 5600 km Uferlinie und  2000 vorgelagerte Inseln kennzeichnen eine landschaftlich abwechslungsreiche Region:

Wen es dagegen eher an den Strand zieht, kommt an den Sandstränden zwischen York im Bundesstaat Maine bis zum Hammonasset Beach State Park in Connecticut auf seine Kosten. Die durchschnittlichen Badetemperaturen liegen in den Monaten August und September noch bei angenehmen 18 Grad, aufgeheizt von rund acht Sonnenstunden pro Tag.

Weinkenner werden auf Rhode Island fündig, als Weinregion lockt der kleinste aller US-Bundesstaaten jedes Jahr Hunderttausende von Touristen mit den verschiedensten Weinfesten und Bauernmärkten an.

Einen Kontrast dazu liefert das zweitkleinste Vermont, der Heimat des aktuellen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Bernie Sanders. Hier lässt sich der Indian Summer besonders eindrucksvoll vom Battle Monument in rund 90 Metern Höhe erleben. Die bei Bennington gelegene Anhöhe bietet bei klarem Wetter eine Sicht bis nach New York und Kanada, wie rp-online.de empfiehlt. Im Übrigen lässt sich die Gegend von Burlington aus auch mit einem Heißluftballon erkunden.

Ein Mix aus rauer Felsenlandschaft, Bergen und Seen lädt zu ausgedehnten Wandertouren im Acadia National Park in Maine ein, der zu dieser Jahreszeit besonders eindrucksvoll in bunte Farben getaucht erscheint. Der Park gehört zu den meistbesuchten Nationalparks in den USA, nicht zuletzt auf Grund dieser einzigartigen, herbstlichen Farbenpracht. Wem das Wandern zu beschwerlich ist, kann die Gegend auch mit dem Auto auf der Panoramaroute entlang der Küste erkunden.

200 km Wanderwege durchkreuzen den Park, ein Teil davon ist auch für Fahrräder freigegeben, die an verschiedenen Servicestationen rund um den Park gemietet werden können.

Touristischer Hotspot für jeden Neuengland-Urlauber ist und bleibt Boston, das besonders zur Foliage zu ausgedehnten Radtouren einlädt. Bei einem Stopp in der Metropole ist der Besuch des vier Kilometer langen Boston Freedom Trails absolutes Muss. 17 historische Sehenswürdigkeiten liegen auf dieser Strecke, der Weg wird durch rote Markierungen auf den Asphaltwegen angezeigt. Er führt vom Stadtzentrum durch die Innenstadt, über den Charles River im Norden nach Charlestown und endet dort am Bunker Hill Monument. Der bequem auch zu Fuß zu bewältigende Trail ist eine beliebte Touristenattraktion und bietet einen kompakten Überblick über das historische Boston.

Einreisen leicht gemacht – Das ESTA-Formular

Für Amerika-Interessierte bestand bis 2009 für Reisende nur die Möglichkeit, im Rahmen des regulären Einwanderungsprozesses mit einem gültigen Visum in die USA einzureisen. Wie t-online.de bemerkt, ist ein Visum auch heute noch Pflicht, wenn Einreisende in den USA leben und arbeiten möchten. Jedoch können sich deutsche Reisewillige seit  dem 12. Januar 2009, wie viele andere Bürger der EU auch, online beim US-Heimatschutzministerium registrieren. Das Online-Genehmigungsverfahren ESTA ist Teil des Visa-Waiver-Programms, das es vor allem EU-Bürgern erlaubt, ohne Beantragung eines Visums in die USA einzureisen.

Laut www.estaformular.org sind für deutsche Bundesbürger beispielsweise folgende Voraussetzungen für eine Erteilung notwendig:

  • Der Aufenthaltszweck muss privater oder geschäftlicher Natur sein.
  • Die Dauer des Aufenthalts darf 90 Tage nicht überschreiten.
  • Der Reisepass muss für die gesamte Aufenthaltsdauer in den USA gültig sein.
  • Eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 14 US-Dollar ist vorab zu entrichten, bezahlbar ausschließlich mit Kreditkarte (EC-Kartenzahlung nicht möglich).
     

Sind die vergleichsweise niedrigen Hürden genommen, können Reiselustige binnen zweier Jahre die USA besuchen – so lange behält der ESTA-Antrag seine Gültigkeit.


Bilder: Abbildung 1: pixabay  © PixelAnarchy (CCO 1.0); Abbildung 2: pixabay  © skeeze (CCO 1.0); Abbildung 3: pixabay © tpsdave (CCO 1.0)



Webstreams: Hier reinhören