In guten Händen: Was sollte der Hausarzt können?

Jeder Mensch hat ihn und hofft doch, dass er ihn nicht braucht: Die Rede ist vom Hausarzt. Er ist der erste Ansprechpartner für die meisten Beschwerden, steht mit seinem fachmännischen Rat zur Verfügung und bietet im Idealfall eine umfangreiche präventive und gesundheitserhaltende Betreuung. Wer sich auf die Suche nach einer medizinischen Betreuung macht, steht meist vor einer langen Liste in Frage kommender Arztpraxen in der Region. Es bleibt die Frage, welcher der niedergelassenen Mediziner die beste Wahl für die eigenen Bedürfnisse ist, und in welcher Praxis es deshalb ratsam ist, als potentieller neuer Patient vorstellig zu werden. Wer die richtigen Fragen stellt und sich im Vorfeld über wichtige Kompetenzen und Serviceleistungen verschiedener Arztpraxen erkundigt, trifft sicher eine gute Wahl.

Die Beziehung zwischen Arzt und Patient fußt auf Vertrauen

Die Frage, ob ein Hausarzt gut ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Neben einigen objektiven Kriterien spielen auch viele persönliche Aspekte bei der Arztwahl eine große Rolle. Die Beziehung zwischen Arzt und Patient ist etwas sehr Intimes und kann sich im Laufe der Zeit immer wieder verändern. Die wichtigste Grundlage ist das Vertrauen. Dieses Vertrauen muss wachsen und kann durch positive oder negative Erfahrungen gestärkt oder geschwächt werden.

Wer seine Suche nach dem richtigen Hausarzt auf Empfehlungen und Erfahrungsberichte anderer Patienten stützen möchte, sollte sich ein möglichst umfangreiches Bild machen. So bieten mehrere Internetportale die Möglichkeit, nach Praxen von Allgemeinmedizinern oder Fachärzten in einer bestimmten Region zu suchen und sich durch die Bewertungen anderer Patienten zu klicken.

Es gibt aber auch einige Fakten, die von persönlichen Empfindungen unabhängig bleiben und die trotzdem dabei helfen können, eine gute Arztpraxis ausfindig zu machen. Die nachfolgenden Tipps basieren auf der Veröffentlichung Woran erkennt man eine gute Arztpraxis? - Checkliste für Patientinnen und Patienten“, die die Bundesärztekammer in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin herausgegeben hat.

10 Fragen, die Patienten ihrer Arztpraxis stellen sollten:

1. Ist die Arztpraxis für Patienten gut erreichbar?

Ein Krankheitsfall lässt sich in der Regel nicht im Voraus planen. Deshalb muss ein Hausarzt auch im akuten Notfall für seine Patienten erreichbar sein. Selbstverständlich kann auch der beste Hausarzt nicht rund um die Uhr für seine Patienten zur Verfügung stehen, allerdings sollten Patienten sowohl vor Ort als auch telefonisch oder über das Internet immer aktuell darüber informiert werden, wann und auf welchem Weg sie das Praxisteam am besten erreichen können. Das gilt für Sprechzeiten und Hausbesuche ebenso wie für Urlaubszeiten und Ansprechpartner während einer Vertretung oder im akuten Notfall.

2. Wie ist der Umgang mit Patienten durch den Arzt und die medizinischen Fachangestellten?

Der Umgang, den Patienten in einer Arztpraxis erfahren, sollte stets höflich und respektvoll sein. Das gilt sowohl für telefonische Auskünfte als auch für die Betreuung vor Ort. Ein gut geschultes Praxisteam behandelt alle Patienten gleichberechtigt und bietet besonders benachteiligten oder gesundheitlich geschwächten Personen zusätzliche Unterstützung an.

Zu einem respektvollen Umgang gehört es auch, vereinbarte Termine einzuhalten und lange Wartezeiten zu vermeiden oder im Falle einer unvermeidlichen Verzögerung die Patienten zu informieren.

3. Können Patienten darauf vertrauen, dass der Arzt ihre Probleme ernst nimmt und sie persönlich und individuell berät?

Patienten möchten mit ihren Fragen und Anliegen ernst genommen werden. Wer das Gefühl hat, auf Verständnis und Akzeptanz zu stoßen, kann sich rundum gut betreut fühlen.

4. Werden die Rechte des Patienten auf Intims- und Privatsphäre in der Praxis gewahrt?

Patientendaten sind hoch sensibel. Deshalb ist es wichtig, dass in einer Arztpraxis die Intim- und Privatsphäre der Patienten jederzeit gewahrt wird. Das gilt sowohl am Empfang als auch bei telefonischen Auskünften und während der Behandlung selber. Die Patienten sollten jederzeit das Gefühl haben, dass sie sich in einem geschützten Raum bewegen, in dem die ärztliche Schweigepflicht unter allen Umständen gewahrt bleibt.

5. Ist die Beratung, die der Patient in der Praxis erhält, auch für Laien verständlich aufbereitet?

Das so genannte Ärztelatein ist längst sprichwörtlich geworden. Mit Fachbegriffen und komplizierten Erklärungen können die wenigsten Patienten etwas anfangen. Deshalb gehört es zu den Kernkompetenzen guter Hausärzte, alle medizinischen Belange und Fachinformationen so aufarbeiten und vermitteln zu können, dass auch ein Laie sie gut verstehen kann.

6. Beraten der Arzt und das Praxisteam unabhängig zu allen medizinischen Belangen?

In einer Arztpraxis sollten die Patienten immer nach bestem Wissen und Gewissen und zu ihrem eigenen gesundheitlichen Besten beraten werden. So ist es zum Beispiel wichtig, dass ein Arzt im Zweifelsfall an einen in einem Fachbereich geschulteren Kollegen überweist und nicht nur Behandlungen empfiehlt, die er in seiner eigenen Praxis durchführen kann. So kommt der Patient jederzeit in den Genuss der bestmöglichen Behandlung.

Zu einer unabhängigen Beratung gehört es übrigens auch, dass der behandelnde Arzt damit einverstanden ist, wenn der Patient eine zweite Meinung von einem anderen Arzt oder einem Spezialisten einholen möchte.

7. Nehmen der Arzt und die medizinischen Fachangestellten in der Praxis regelmäßig an Veranstaltungen zur medizinischen Fortbildung und zum Qualitätsmanagement teil?

Die Humanmedizin ist ein sich besonders schnell veränderndes Fachgebiet. Deshalb müssen sich Ärzte und medizinisches Fachpersonal immer auf dem Laufenden halten und sich in ihrem jeweiligen Fachgebiet fortbilden. Das gilt auch für das Qualitätsmanagement, das in der Praxis eingesetzt wird.

In guten Arztpraxen sind Informationen über Weiterbildungen für die Patienten einzusehen. Außerdem werden die Richtlinien des Qualitätsmanagements in Informationsbroschüren zur Verfügung gestellt. Häufig werden Patienten auch zu ihrer persönlichen Zufriedenheit befragt.

8. Ist die Praxis auch für schwer kranke Patienten oder Menschen mit Behinderung gut zu erreichen?

Eine Arztpraxis sollte immer gut an das Verkehrsnetz angeschlossen sein. Das gilt sowohl für die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch für ein ausreichendes Parkplatzangebot. Außerdem ist es wichtig, dass die Praxisräume für Menschen mit Behinderung oder einer schweren Erkrankung auch barrierefrei und ohne große Laufwege zu erreichen sind.

9. Erhalten die Patienten auf Wunsch jederzeit Zugang zu ihrer Patientenakte?

In Deutschland hat jeder Patient ein Recht auf Einsicht in seine Patientenaktie. Diese sollte ihm auf Anfrage in der Praxis jederzeit problemlos gewährt werden. Die AOK informiert umfassend zu den Patientenrechten und den Informationen, die aus einer Patientenakte gewonnen werden können.

10. Ist die Praxis gut mit anderen niedergelassenen Ärzten, Fachkliniken oder Einrichtungen der ärztlichen Selbstverwaltung vernetzt?

Ärzte, die mit Kollegen oder anderen Fachbereichen kooperieren, können ihren Patienten meist eine größere Fülle an Informationen anbieten. Außerdem ist es ihnen möglich, Patienten im Zweifelsfall schnell und unkompliziert an einen kompetenten Kollegen zu überweisen. Sollte eine Überweisung in eine Klinik erforderlich sein, versorgt ein guter Hausarzt die dortigen Ärzte bereits umfassend mit allen wichtigen Patienteninformationen, sodass die Behandlung in der Klinik zügig aufgenommen werden kann.


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