Haustiere - Die ersten Tage im neuen Zuhause

Nahezu jedes Tier ist in den ersten Tagen in seinem neuen Heim scheu, schüchtern und ängstlich. Der beste Trick, um es nicht noch weiter zu verunsichern, ist Ruhe und Verständnis zu zeigen.

Ob Hund oder Katze, Chinchilla oder Meerschweinchen: Wer Tierbesitzer werden möchte, kann in den ersten Tagen zuhause praktisch alles richtig oder alles falsch machen. Ein Ratgeber.

Wer schon mal umgezogen ist, kennt das Gefühl: Neue Stadt, neue Wohnung. Sie haben Freunde und Familie nicht mehr um sich und alles ist anders, als bisher. Ein so einschneidendes Erlebnis setzt vielen Menschen zu, selbst wenn sie darüber im Bilde sind, warum der Umzug erfolgt, wie eine US-Studie herausfand. Aber jetzt stellen Sie sich einmal folgendes vor: Sie werden aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen, von Freunden und Familienmitgliedern getrennt und in eine vollkommen fremde Wohnung gesetzt – in der aufrecht gehende Wesen herumrennen, die allein schon wegen ihrer Größe äußert bedrohlich wirken und die Sie zudem auch noch dauernd anfassen, hochheben und mit Ihnen in unverständlichen Lauten kommunizieren – und Sie wissen noch nicht mal, wofür oder wo Sie sich befinden.

Schon von Mensch zu Mensch ist es nicht gerade angenehm, wenn alle von oben herab auf einen starren. Für Tiere ist es hingegen anfangs der totale Horror.

Schon von Mensch zu Mensch ist es nicht gerade angenehm, wenn alle von oben herab auf einen starren. Für Tiere ist es hingegen anfangs der totale Horror.

Was ein bisschen nach Alien-Entführung klingt, ist in Wahrheit alltägliche Sache für Tiere. Und zwar solche, die als Haustier adoptiert und nachhause mitgenommen werden. Und auch, wenn es überspitzt klingen mag, aber tatsächlich so fühlen sich Haustiere in den ersten Tagen. Sie haben vor allem Angst und sind scheu, sie verstehen nicht, warum sie verlegt wurden, wer die neuen Lebewesen um sie herum sind und sie können noch nicht mal ihre Ängste so ausdrücken, dass die Menschen sie verstehen. Und deshalb ist in diesen ersten Tagen das Verhalten der neuen Besitzer von entscheidender Wichtigkeit: Hier werden die Weichen gestellt, ob Hunde ein enges Verhältnis zur Familie bekommen, Katzen künftig artig ihre Toilette aufsuchen und sogar, ob Meerschweinchen sich ohne Murren aus dem Käfig heben und die Krallen schneiden lassen. Aus diesem Grund will der folgende Ratgeber die wichtigsten Dinge auflisten, die Herrchen und Frauchen beachten sollten.

Der Ort, an den sich frei in der Wohnung laufende Tiere nach der ersten Erkundung zurückziehen, muss nicht unbedingt der sein, denn ihre Besitzer vorgesehen haben.

1. Der Rückzugsort

Der Ort, an den sich frei in der Wohnung laufende Tiere nach der ersten Erkundung zurückziehen, muss nicht unbedingt der sein, denn ihre Besitzer vorgesehen haben.

Egal ob Hundedecke, Katzenkorb oder Hamsterhaus: Wenn das Tier in die Wohnung gebracht wird, sollte seine Behausung schon an einem sicheren Platz stehen. Das bedeutet aber auch: Wer einen Umzug für die unmittelbar nächste Zeit plant, sollte gerade bei Hund und Katze darauf verzichten, sie noch vor dem Umzug anzuschaffen, weil dann der Stress für das Tier doppelt so groß ist und im Zweifelsfall zu nur schwer wiedergutzumachenden Problemen führt.

Egal, um welches Tier es sich handelt, sein Platz sollte folgende Attribute aufweisen:

  • Frei von Zugluft und zu großer Heizungswärme sein
  • Nicht in Durchgängen stehen
  • Dem Tier erlauben, in Ruhe zu beobachten
  • Ihm das Gefühl von Sicherheit vermitteln (Höhlencharakter haben)

Eins sollten Besitzer von selbstständigen Vierbeinern allerdings bedenken: Es kann durchaus vorkommen, dass Hund und Katz die ihnen zugedachten Plätze verschmähen und sich woanders niederlassen. Keinesfalls sollte hier mit Geschimpfe das Tier weiter verunsichert werden. Viel besser ist es, ihm durch Leckerli die gewünschte Behausung schmackhaft zu machen. Oder, sofern es keine Umstände macht, Körbchen oder Kiste in die Ecke räumen, in der das Tier liegt.

Kleine Käfig-Häuser bieten Nagern die Rückzugsmöglichkeit, die sie als Fluchttieren unbedingt benötigen.

Kleine Käfig-Häuser bieten Nagern die Rückzugsmöglichkeit, die sie als Fluchttieren unbedingt benötigen.

Nager, die im Geschäft meist in Pappkartons verkauft werden, sollten nicht einfach rigoros aus diesem in den Käfig geschüttet werden – Stellen Sie sich mal vor, jemand würde Sie auf diese Weise aus dem Bett befördern. Auch hier ist Ruhe der beste Köder: Öffnen Sie den Karton und stellen Sie ihn einfach in den Nagerkäfig. Das Tier wird nach einer Zeit von selbst hervorkommen. Übrigens gilt besonders für Kleintierbehausungen: Diese sollten nicht unbedingt direkt auf dem Boden stehen, aus psychologischen Gründen: Aus der Bodensicht eines Hamsters oder Meerschweins wirken Menschen nochmal um einige Grade bedrohlicher (weil größer) als wenn der Käfig in Brusthöhe stünde.

2. Ruhezeit beachten

Gerade Kinder verstehen nur schwer, warum sie ihren neuen Spielkameraden erst einmal nicht dauernd aus dem Käfig holen sollen.

Gerade Kinder verstehen nur schwer, warum sie ihren neuen Spielkameraden erst einmal nicht dauernd aus dem Käfig holen sollen.

Für diesen Unterpunkt können sich Leser einmal mehr geistig in die Rolle eines Haustiers versetzen: Stellen Sie sich vor, sie haben die neue Umgebung gerade eben nach bedrohlichen Elementen abgeschnüffelt und befunden, dass der Mensch da in der Ecke Ihnen vorerst nichts Böses will – dann aber öffnet sich die Tür und es stürzen sich weitere Menschen auf Sie, fassen Sie an. Klingt einschüchternd, oder? Und aus diesem Grund gilt zumindest für den ersten Tag des Haustiers: So wenig Menschenkontakt außer den direkten Herrchen wie möglich.

Werden Katzen nicht zunächst in Ruhe gelassen, flüchten sie oft an Orte, an denen sie nicht bemerkt werden – ein verhängsnisvolles Risiko.

Besonders gilt das für (kleine) Kinder: Sie verstehen meist noch nicht, dass der neue Freund, der nun bei ihnen lebt, erst einmal verängstigt ist. Um Eifersucht zu vermeiden, empfiehlt folgender Artikel zudem, das Kind trotzdem in den kommenden Tagen in alles einzubeziehen, was das Tier betrifft. Und die erwachsenen Herrchen und Frauchen sollten gerade bei Hunden beachten:

  • Er muss nicht sofort gebadet werden
  • Er braucht keinen stundenlangen Spaziergang
  • Er möchte nicht gestreichelt oder bespaßt werden

     

Werden Katzen nicht zunächst in Ruhe gelassen, flüchten sie oft an Orte, an denen sie nicht bemerkt werden – ein verhängsnisvolles Risiko.

Lassen Sie den Tieren am ersten Tag einfach ihre Ruhe. Gehen Sie wie gewohnt dem Tagesablauf nach, nur wundern Sie sich nicht, wenn das Haustier sie nur aus der Ecke heraus beobachtet oder gar schläft oder vielleicht auch schlicht einen Punkt an der Wand anstarrt. Das ist normal und wird sich nach einigen Tagen normalisieren.

Was Besitzer jedoch tun sollten: Dem Mitbewohner etwas Leckeres zu Essen geben. Bei Tieren, die später regelmäßig gestreichelt oder hochgehoben werden sollen, empfiehlt es sich zudem auch, zumindest Teile des Futters mit der Hand zu reichen. Auf diese Weise verknüpfen die Tiere die eigentlich bedrohliche Menschenhand (die sie vielleicht im Zoogeschäft ruppig angefasst hat) mit etwas Positivem.

Für die nachfolgenden Tage gilt dann: Jeden Tag ein Stückchen mehr. Wer also die Katze kurz streichelt, wenn sie durch die Wohnung stromert oder das Meerschweinchen, dem er ein Stück Karotte unter die Nase hält, sanft krault, gewöhnt das Tier langsam an seine Präsenz. Wichtig ist wirklich nur, dass dabei eine Politik der kleinen Schritte verfolgt und das Tier nicht verschreckt oder überlastet wird.

3. Thema Stubenreinheit

Bei Hunden aber auch bei Katzen ist es immens wichtig, dass sie schnell stubenrein gemacht werden, weil sie, im Gegensatz zu fast allen anderen Tieren, außerhalb des Käfigs inmitten der Wohnung leben.

Eine neue Katze sollte von mindestens zwei Toiletten erwartet werden – die besonders peinlich genau saubergehalten werden müssen.

Eine neue Katze sollte von mindestens zwei Toiletten erwartet werden – die besonders peinlich genau saubergehalten werden müssen.

Grundsätzlich gilt: Auch die als reinlich bekannten Katzen sind nicht von Geburt an die Benutzung der Katzentoilette gewöhnt. Tiere von guten Züchtern kennen zwar bereits schon die Grundlagen, aber bei anderen Katzen und besonders Hunden ist es unvermeidbar, dass in den ersten Tagen noch Malheure passieren werden. Und auch hier gilt einmal mehr: Nicht wütend reagieren, nicht das Tier anschreien und bloß auch niemals mit der Nase in die Hinterlassenschaften stecken – letzteres versteht kein Tier.

  • Bei Katzen sollte die Toilette – auch wenn sie später woanders stehen soll – in den ersten Tagen dort aufgestellt werden, wo sie sich am häufigsten aufhalten. Dabei aber Abstand zum Futterplatz halten.
     
  • Dabei sollte zudem auch darauf geachtet werden, dass die Toilette nicht in der Nähe von lauten Geräten wie dem Fernseher oder der Waschmaschine steht – die Tiere brauchen Entspannung, um loslassen zu können.
     
  • Bei Hunden kann beim Spazierengehen viel Vorarbeit geleistet werden: Immer wenn sich das Tier draußen erleichtert, ausführlich loben und ein Leckerli geben. Passiert hingegen in der Wohnung ein Missgeschick, einfach neutral reagieren.
     
  • Wird der Hund in der Wohnung plötzlich unruhig, beginnt zu fiepen oder starrt sein Herrchen einfach nur direkt an, sollte nicht gezögert und mit ihm nach draußen gegangen werden. Auch hier ist ausschweifendes Lob nach erfolgreichem Geschäft der beste Garant, dass Kamerad Hund sich auch zukünftig melden wird. Aber: Geduld ist eine Tugend. Je nach Rasse sind die Tiere erst ab dem sechsten oder siebten Monat wirklich stubenrein zu bekommen.
     
  • Auch wenn kaum noch Probleme auftreten, sollten Hunde sich dennoch an feste Gassigeh-Rhythmen gewöhnen können. Auch Tiere haben eine innere Uhr und können genau abschätzen, wie lange es noch dauert, bis sie sich erleichtern können.

Weil Welpen dazu neigen, ihre Geschäfte an schwer zu entdeckenden Stellen zu verstecken, bringt späteres Meckern gar nichts, weil der Hund keinen Bezug zwischen Schelte und Missgeschick herstellen kann.

Übrigens ist es auch durchaus möglich, andere Tiere, beispielsweise Meerschweinchen, stubenrein zu bekommen. Aber nicht ganz so, wie bei Hund und Katze: Diese Tiere markieren ihr Revier mittels Kot und Urin und setzen beides daher bewusst ab. Nager sind anders gepolt: Sie erleichtern sich meistens dort, wo sie sich besonders sicher und entspannt fühlen. Der Trick, um zu verhindern, dass ein frei in der Wohnung laufendes Meerschweinchen den Boden „vollköttelt“ ist also, die Ecken, in denen es sich regelmäßig einkuschelt, mit Handtüchern usw. auszupolstern. Dadurch ist sichergestellt, dass ihr Darm und Blase hernach leer sind und beim Spiel nichts mehr passieren kann.

Fazit

Gerade in den ersten Tagen eines Tiers in einem neuen Zuhause sind Geduld und Ruhe die beiden wichtigsten Tugenden, die Besitzer sich und dem neuen Familienmitglied angedeihen lassen können. Nur wer die Tiere nicht noch zusätzlich stresst, sondern ihnen liebe- und rücksichtsvoll den Weg zeigt und sie sich auch zurückziehen lässt, stellt sicher, dass in diesen Tagen kein Leidensweg beginnt, sondern die ganz große Freundschaft zwischen Mensch und Tier.


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