Gründerland Baden-Württemberg!? Dieses Bild zeigt die Statistik

Im Erhebungszeitrum 2017 lag Baden-Württemberg im Ländervergleich zahlenmäßig auf Rang 3 der Betriebsgründungen. Von den 124.703 Betriebsgründungen, die in 2017 insgesamt verzeichnet wurden, entfielen 28.832 auf Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen, 19.279 auf den Zweitplatzierten, Bayern, und 14.277 Neugründungen auf Baden-Württemberg. Schlusslicht der Tabelle war das Saarland mit gerade einmal 1.254 Neugründungen im Jahr 2017.

Abbildung 1: Auch wenn nicht jeder Unternehmer, der in Baden-Württemberg ein Gewerbe anmeldet, sich als Start-up sieht, so müssen doch die meisten Gründer ein- und dasselbe Prozedere durchlaufen, um am Ende zum erfolgreichen Unternehmer zu werden.

In diesen Gewerbebereichen ist das Gründungsvolumen besonders hoch

Spannend ist der Blick ins Detail – und zwar auf die Branchen und Gewerbebereiche, in denen im Jahr 2018 das höchste Neugründer-Aufkommen sichtbar wurde:

  1. Die meisten Gründungen bezifferten sich im Bereich des Handels, der Instandhaltung und der Reparatur von Kraftfahrzeugen. Die Statistik weist hier 19.882 Gründungen aus und ist mit Blick auf die Vielzahl an Autozulieferern und Autoherstellern im Bundesland durchaus verständlich.
  2. Auf Rang 2 landeten mit 10.156 Gründungen freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen. Diese Unternehmer schätzen das innovative Umfeld, das ihnen das Gründerland Baden-Württemberg bietet – und zwar in ganz unterschiedlichen Branchen.
  3. Das Baugewerbe landet mit 9.220 Gründungen auf Rang 3. Diese hohe Anzahl lässt sich mit Blick auf den Bauboom erklären. Die meisten Gründungen (8.606) fanden im Bereich Baustellenarbeiten, Bauinstallation und Ausbau statt.

Auf den hintersten Rängen liegen der Bergbau sowie die Gewinnung von Stein und Erde mit nur neun Gründungen im Jahr 2018. Nur 81 Gewerbeanmeldungen gab es im Bereich Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung, Beseitigung von Umweltverschmutzungen. Auch im Bereich Fischerei, Forst- und Landwirtschaft gab es nur 570 Gewerbeanmeldungen. Die Gewerbeanmeldungen der Energieversorger beliefen sich auf 844, 860 Anmeldungen verzeichnete das Gesundheits- und Sozialwesen.

So geteilt ist das Bundesland Baden-Württemberg

Der Blick auf die Gewerbeanmeldungen im Bundesland Baden-Württemberg ist keineswegs homogen. Stattdessen gibt es Boom-Regionen, wie etwa die Region Stuttgart mit 22.488 Gewerbeanmeldungen im Jahr 2018. Die Region Rhein-Neckar folgt mit 9.392 Gewerbeanmeldungen auf Rang 2 und der Mittlere Oberrhein liegt mit 8.542 Gewerbeanmeldungen auf Rang 3. Schlusslicht dieser Statistik ist die Region Ostwürttemberg mit 3.072 Gewerbeanmeldungen, die Region Bodensee-Oberschwaben mit 5.098 Gewerbeanmeldungen und die Region Hochrhein-Bodensee mit 5.119 Gewerbeanmeldungen.

Diese Schritte sind vor jeder Unternehmensgründung nötig

Unabhängig davon, in welcher Branche das Unternehmen gegründet wird, wandeln Gründer doch tendenziell immer auf denselben Pfaden. Diese Meilensteine sind in der Gründungsphase zu bewerkstelligen:

  1. Etwa sieben Monate dauert es durchschnittlich bis aus der Idee ein Unternehmen werden kann. Diese Zahl umfasst Gründer, die schneller ins Business einsteigen (beispielsweise weil sie schon Vorerfahrung haben) und auch jene, die länger brauchen, um den Schritt von der Idee zum Unternehmen zu gehen. Die wichtigsten Bausteine in dieser Unternehmensphase sind der Business- und Finanzplan. Erst mit einer gesicherten Finanzplanung (und ausreichend Startkapitel) macht es Sinn, ein Unternehmen zu gründen.

  1. Bis das Unternehmen einen hoch-offiziellen Namen bekommen kann, ist es wichtig, zu überprüfen, ob dieser  verfügbar ist, ggf. mit Markenschutzrechten belegt ist und/oder zum Produkt passt. Wichtig ist die rechtliche Prüfung der nächsten Schritte und auch der Check der Usability. Der Unternehmenstitel darf nicht zu eng sein, sonst wird eine Entwicklung des Unternehmens bereits in den Kinderschuhen erstickt. Darüber hinaus ist es wichtig zu überprüfen, ob ein Beruf ggf. mit etwaigen Auflagen oder genehmigungspflichtigen Voraussetzungen belegt ist. Auch wenn sie zunehmend gekappt wird, gilt noch in einigen Berufen die Meisterpflicht.

  1. Die Wahl der Unternehmens- und Rechtsform ist gebunden an die Zahl der Akteure, die das Unternehmen ausmachen und an das Kapital, das zur Gründung zur Verfügung steht. Entsprechend hat die Unternehmensform auch Auswirkungen auf steuer- und betriebswirtschaftliche Vorgaben, die an das Unternehmen gerichtet werden.

    So regelt die Unternehmensform nicht nur, wer Chef ist, sondern auch mit welcher Haftung der Chef belegt ist und, welche Form der Buchhaltung das Finanzamt einfordert. Auch gehen mit der Entscheidung für eine Unternehmensform Vorgaben dazu einher, bei welchem Amt das Unternehmen (neben dem Finanzamt) noch angemeldet werden muss. In diesem Zusammenhang wird unterschieden in eine Gewerbeanmeldung und einen Handelsregistereintrag, der für Kapitalgesellschaften Pflicht ist.

  1. Direkt ab dem Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung auf ein entsprechendes IT-System zu setzen, macht durchaus Sinn, auch wenn die Größe des Unternehmens perspektivisch betrachtet noch gar nicht absehbar ist. Gängige Systeme bilden auch die einfachsten Funktionen, wie beispielsweise die Belegerfassung ab und erleichtern damit die Arbeitsabläufe.

  1. Die meisten dieser Meilensteine passieren im Verborgenen, allerding darf darüber hinaus nicht vergessen werden, dass auch die Außenwirkung von entscheidender Bedeutung für den Betrieb ist. Das beginnt bei der Standortwahl, die im Gerangel um Bau- und Gewerbeplätze recht schwierig werden dürfte, und endet bei den Überlegungen zum perfekten Außenauftritt inkl. Corporate Design und Identity noch lange nicht.

  1. Auch die Ideen, wie Kunden auf das Produkt oder die Dienstleistung aufmerksam gemacht werden können, müssen nun in der Praxis zeigen, ob in puncto Kundenansprache auf die richtige Strategie gesetzt wurde. Geht das Marketingkonzept langfristig nicht auf, muss an dieser Stelle nachjustiert werden.

  1. Ein Unternehmen muss sich auch darüber informieren, welche Vorschriften es in steuerlicher und buchhalterischer Sicht gibt. So müssen sie sich beispielsweise über die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (kurz: GOBD) informieren. Auch hier stellen die oben bereits erwähnten IT-Systeme eine große Hilfe dar, denn sie sorgen mit einem Rechnungsprogramm dafür, dass Rechnungen GOBD-konform gestellt werden. Damit werden dir formalen Anforderungen an die Buchführung und die Aufbewahrung von steuerrechtlich relevanten elektronischen Daten und Papierdokumenten erfüllt.


Abbildung 1: pixabay.com © geralt (CC0 Public Domain)


Webstreams: Hier reinhören