Endlich 18! Welche Gelder stehen mir zur Verfügung?


Endlich volljährig – zu Hause raus und endlich durchstarten. Aber wie sieht es finanziell aus? Wer zahlt die Wohnung und die Lebenshaltungskosten? Wer noch zur Schule geht, eine Ausbildungsstelle inne hat oder ein Studium beginnt, der kann sich freuen: denn Vater Staat unterstützt diese Vorhaben und stellt Gelder zur Verfügung. Nun bleibt die Frage: Wer kriegt was und wie? Wir sorgen für Aufklärung.

Endlich 18! Diese Freiheit zu genießen ist nicht ganz billig – aber mit den richtigen Fördermitteln kein Problem.

Für die Eltern: Das Kindergeld

Das Kindergeld ist ein Zuschuss des Bundes, den alle Familien grundsätzlich erhalten. Dabei steht jedem Kind ein gewisser Betrag zu, der monatlich von der Kindergeldkasse überwiesen wird. Es geht dabei in erster Linie darum, den Eltern das Leben zu erleichtern und die finanzielle Belastung durch Kinder etwas zu mildern. Dabei bekommen die Eltern für jedes Kind 190 Euro pro Monat, ab dem dritten Kind wird dieser Satz aufgestockt: Für das dritte Kind erhalten Eltern 196 Euro, für jedes weitere sind es 221 Euro.

Wie bekomme ich das Kindergeld?

Das Kindergeld wird bei der Kindergeldkasse beantragt und läuft ab da automatisch jeden Monat auf dem Konto ein. Grundsätzlich erhalten Eltern diese Gelder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes, danach kann jedoch je nach Situation des Kindes weiterhin der Anspruch auf Kindergeld bestehen. So sind zum Beispiel Kinder, die sich in der Ausbildung befinden, noch bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld berechnet – beziehungsweise deren Eltern. Schließlich geht es bei dieser Förderung darum, dass der Unterhalt der Kinder leichter fällt.

Nach Überschreitung der Altersgrenze müssen die Eltern jährlich Fragebögen zu der Situation des Kindes ausfüllen, dann wird entschieden ob die Gelder weiter fließen oder die Zahlung eingestellt wird. Das Geld geht auch dann weiter an die Eltern. Ist es jedoch so, dass die Eltern keinen Unterhalt zahlen und das Kind diesen selbst bestreitet, kann durchaus eine interne Einigung darauf getroffen werden, dass die Eltern das Geld an das Kind weiterleiten. Das ist jedoch von Familie zu Familie unterschiedlich und sollte individuell abgesprochen werden. Es gibt jedoch auch weitere Förderungsmöglichkeiten, die sich an das Kind selbst richten und nicht an dessen Eltern.

Für Schüler und Studis: Das BAföG

Die deutsche Ausbildungsförderung läuft unter dem Namen „BAföG“ und gründet auf dem Bundesausbildungsförderungsgesetz. Grundsätzlich ist dabei jeder, der in einem Ausbildungsverhältnis steht, förderungswürdig. Unterschieden wird grundsätzlich zwischen Schülern, Auszubildenden und Studenten. Hier hat das Einkommen der Eltern aber auch des Auszubildenden selbst einen großen Einfluss auf die Förderungshöhe. Außerdem wird unterschieden in Zuschüsse und zinslose Darlehen. Dabei wird je nach Situation des Auszubildenden unterschieden, welchen Bedarf er oder sie hat – denn Leben außerhalb des Elternhauses ist teuer, es gibt viele Positionen die einem vielleicht nicht geläufig sind, wie die Kosten für Wasser, Strom, Abfall und so weiter.

So werden zum Beispiel Schüler, die nicht mehr zu Hause wohnen, grundsätzlich mit einem Bedarf von 504 Euro pro Monat berechnet. Bei anderen sieht es wieder anders aus: So haben zum Beispiel Studenten einen Grundbedarf von 399 Euro, durch eine Wohnung außerhalb des Elternhauses werden zusätzlich 250 Euro Bedarf hinzugerechnet, so dass ein Student am Ende mit 649 Euro veranschlagt wird.

Je nach Einkommen der Eltern und des Schülers/des Studenten selbst werden Beträge davon abgezogen. Grundsätzlich schaut das BAföG-Amt danach, was der Student selbst bestreiten kann. So wird auch Vermögen mit einbezogen, Freibeträge eingerechnet und Ausgaben wie beispielsweise für eine Riester-Rente mit berücksichtigt. Abzüglich all dieser Berechnungen kommt anschließend der Förderungssatz heraus, der dem Studi zusteht. Dieser wird zur Hälfte als zinsloses Darlehen ausgegeben, der Rest gilt als Zuschuss. Ähnlich sieht die grundsätzliche Berechnung bei Schülern aus, sie jedoch erhalten das gesamte Geld als Zuschuss.

Die Rückzahlung des zinslosen Darlehens muss dann nach fünf Jahren des Förderungsendes beginnen. Der Zeitraum für die Rückzahlung ist von zehn bis zwanzig Jahren bemessen, die monatliche Mindestrate liegt bei 105 Euro. Doch auch hier wird Rücksicht auf die Situation des Geförderten genommen. Bei einem Einkommen von unter 1070 Euro monatlich kann die Rückzahlung ausgesetzt werden, je nach Situation des Ehepartners und möglichen Kindern erhöht sich diese Grenze auch.

An Studenten richtet sich das BAföG, was nach dem Einkommen des Studis, der Eltern und dem vermögen berechnet wird.

Wie bekomme ich das BAföG?

Das BAföG richtet sich tatsächlich an den Studi bzw. Schüler selbst. Die Beantragung wird entsprechend auch selbst durchgeführt und kommt nicht zusammen mit der Einschreibung, auch wenn die meisten Universitäten und Schulen gerne bei der Beantragung assistieren. Gibt es vor Ort kein BAföG-Amt, das die Anträge ausgibt, können diese auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Thema BAföG heruntergeladen werden. Ausgefüllt können sie dann an das entsprechende Amt geschickt werden, zusammen mit den ausgefüllten Bögen der Eltern. Der zuständige Sachbearbeiter prüft die Anträge dann, fordert eventuell fehlende Dokumente an und rechnet anschließend den Zuschuss aus. Per Post kommt schließlich der Bescheid, ob der Zuschuss bewilligt wurde oder nicht.

Für Azubis: Das BAB

Für Auszubildende greift das BAföG nicht. Sie beziehen in der Regel ihr eigenes Einkommen, deswegen gibt es hier die Berufsausbildungsbeihilfe, die das Einkommen des Auszubildenden aufstockt, wenn es zum Leben nicht reicht. Gefördert werden betriebliche und außerbetriebliche Ausbildungen, die einem anerkannten Ausbildungsberuf angehören. Förderungsbedürftig sind Azubis dann, wenn sie nicht bei den Eltern wohnen können, weil der Betrieb zu weit weg ist und pendeln nicht möglich ist. Auch hier wird wie beim BAföG die finanzielle Situation geprüft – die des Azubis selbst, die der Eltern und mögliches Vermögen mit einbezogen. Dann wird der Bedarf errechnet, die Freibeträge vom eigenen Einkommen abgezogen und schließlich ein Zuschuss ermittelt. Dieser wird dann für zwölf bis 18 Monate bewilligt, bevor wieder die Situation im Einzelnen dargelegt werden muss. Wie viel in etwa von der Beihilfe zu erwarten ist, kann der BAB-Rechner der Bundesagentur für Arbeit ermitteln.

Wie bekomme ich BAB?

Die Berufsausbildungsbeihilfe wird beim Arbeitsamt beantragt und auch von diesem bewilligt. Dabei ist zu beachten, dass frühestens dann gezahlt wird, wenn der Antrag auch bewilligt wird. Heißt: So früh wie möglich einreichen, denn anders als BAföG wird BAB nicht rückwirkend gezahlt.

Das BAB stockt das oftmals magere Gehalt von Azubis auf, die nicht mehr zu Hause wohnen und ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können.

Stipendien

Eine andere Möglichkeit das magere Ausbildungsgehalt während des Studiums oder der Ausbildung aufzustocken, sind Stipendien. Diese richten sich vor allem an besonders engagierte oder besonders erfolgreiche Studenten. Das heißt aber nicht automatisch, dass Studis mit mittelmäßigen Noten grundsätzlich keine Chance auf ein Stipendium haben. Jede Stiftung hat andere Werte und Prinzipien, nach denen sie ihre Stipendien vergibt, weswegen eine gründliche Recherche nach einem passenden Stipendium und einer Bewerbung auf Gut-Glück nichts im Wege steht. Probieren geht über Studieren, heißt es zumindest in dem Fall.

Wie bekomme ich ein Stipendium?

Der Stipendienlotse gibt einen Überblick über ausgeschriebene Stipendien, hier kann nach Studienrichtung, angestrebter Förderung und Ausbildungsphasen gefiltert werden. Es gibt eine Vielzahl an Stiftungen die jedes Jahr Förderungen vergeben möchten, die am Ende keine Bewerber finden – gründliches Suchen und fleißiges Bewerben zahlt sich also aus. Ansonsten hilft nur noch Daumen drücken.

Fazit

Mit 18 zu Hause auszuziehen und den eigenen Lebensweg einzuschlagen ist eine super Sache, die mit ein wenig Köpfchen auch gut zu finanzieren ist. Hier lohnt es sich, das richtige Förderungsangebot herauszusuchen, vor allem wenn die Eltern nicht in der Lage sind, den kompletten Unterhalt zu leisten. Wer dann gründlich alles dokumentiert und einreicht, wird am Ende die berechtigten Zuschüsse erhalten und kann so frei über die eigene Ausbildung verfügen, ganz ohne sich von der finanziellen Situation einschränken zu lassen. Und alles was dadurch nicht abgedeckt wird – ein wenig Kellnern hat noch niemandem geschadet.


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