Niedrige Zinsen nutzen statt auf die gesetzliche Rente vertrauen - Eigentum als Altersvorsorge

Die Erfahrungen mit der anhaltenden Niedrigzinsphase zeigen, dass immer mehr Haushalte die historisch günstigen Konditionen nutzen wollen und verstärkt auf Immobilien setzen. Für immer mehr Menschen wird es attraktiver, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen als zur Miete zu wohnen. Der Trend zum Eigenheim war vor wenigen Jahren noch vor allem in Ostdeutschland zu beobachten, ist aber mittlerweile längst auch in den alten Bundesländern angekommen.

Seit die EZB den Leitzins auf 0 Prozent gesenkt hat, lässt sich mit klassischen Sparprodukten kaum noch eine Rendite erwirtschaften. Entsprechend düster sieht es am Himmel privater Altersvorsorgemodelle aus. Gerade für ältere Mitbürger gestaltet sich gegenwärtig die private Altersvorsorge alles andere als aussichtreich für ein sorgenfreies Leben im Alter, fressen doch die spärlichen Zinserträge steigende Lebenshaltungskosten. Was tun?

Alarmierende Zahlen

40 Prozent der deutschen Haushalte haben keine private Vorsorge und sind von Altersarmut bedroht. Betriebliche und private Vorsorge-Instrumente greifen durch die anhaltende Null- bis Minuszinspolitik nicht. Die betriebliche Säule des Dreisäulen-Modells der staatlichen Rentenpolitik – gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge – nutzen nur etwa die Hälfte aller Berechtigten. Und: Nur 44 Prozent der Förderberechtigten sparen auf eine Riester-Rente. So lauten die bedrohlichen Eckdaten des aktuellen, 52 Seiten umfassenden Gutachtens des Sachverständigen-Rats der Bundesregierung.

Die gesetzliche Rente schwächelt

Zwar weist die Gesetzliche Rentenversicherung durch die Reformen der vergangenen Jahre und die Absenkung der Ersatzrate derzeit Überschüsse aus, auf Grund der demoskopischen Entwicklung drohen aber künftig die weniger werdenden Beitragszahler mit einem Plus an Beiträgen und Steuern belastet zu werden, trotz gleichzeitig sinkendem Rentenniveau und prognostiziertem steigenden Renteneintrittsalter.

2004 war in der Gesetzlichen Rentenversicherung eine Obergrenze für den Beitragssatz und eine Untergrenze für die als „Sicherungsniveau“ bezeichnete Ersatzrate gesetzlich verankert worden, wonach der Beitragssatz bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent ansteigen darf.

Drohende Altersarmut

Gleichzeitig dürfe das Sicherungsniveau vor Steuern nicht unter 46 Prozent und bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen. Jedoch: Der von der WHO und EU als Schwellenwert zur Altersarmut empfohlene Mindestsatz von 50 bis 60 Prozent des Durchschnittseinkommens als Mindest-Ersatzrente wird von der Bundesregierung in beiden Fällen eindeutig unterschritten, wohlwissend, dass die betriebliche und private Säule für den entsprechenden Ausgleich sorgen sollte.
Ziel ist eine annähernde Gleichheit der Lebensstandards vor und nach Renteneintritt.

Private Vorsorge verliert an Attraktivität

Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) hegten fast zwei Drittel aller Befragten ernsthaften Zweifel ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Dennoch gaben nur rund die Hälfte von ihnen an, selbst noch privat vorzusorgen. Mangelnde Anreize und staatliche Unterstützung verleiten immer mehr Bundesbürger zu gefährlichem Nichtstun. Dabei bietet die aktuelle Zinsentwicklung auch noch für ältere Beschäftigte eine Chance, ihren Kopf aus der Schlinge drohender Altersarmut zu ziehen.

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen

Wenn es schon mit dem Sparen nicht klappt, denken sich viele, dann wenigstens mit dem Eigentum – davon hat man auch im Alter etwas und erspart sich Mietkosten bei Eigennutzung - oder kann von der Vermietung einer Zweit-Wohnung im Alter sein Auskommen sichern. Was die Versicherungswirtschaft ärgert, die zunehmend auf ihren klassischen Sparprodukten sitzenbleibt, freut die Immobilienbranche, die seit wenigen Jahren einen spürbaren Anstieg der Immobilienpreise in Deutschland registrieren, besonders in Großstädten und Ballungszentren.

Der Grund liegt auf der Hand: Immobilienkredite sind derzeit ausgesprochen günstig zu haben, ob in Form von Annuitätendarlehen, Bausparverträgen oder Kreditkombinationen. Dabei gilt es bei Planung und Konzeption gerade für ältere Personen einiges zu beachten, damit aus dem Rententraum im Alter kein Albtraum wird.

Wer keine Konditionen der Baufinanzierer vergleicht, verbrennt Geld.

Wichtige Vorüberlegungen bei einer Baufinanzierung

Um bei einem üblicherweise im Rentenalter geringer zur Verfügung stehenden Einkommen nicht noch Darlehensraten stemmen zu müssen, sollte eine geplante Baufinanzierung als Mittel zur Altersvorsorge spätestens mit Eintritt Rentenbeginn abgeschlossen sein. Je älter die finanzierende Person und je kürzer damit die mögliche Maximallaufzeit des Darlehens ist, umso höher muss die monatliche Tilgungsrate ausfallen, um zum geplanten Rententermin auch tatsächlich schuldenfrei zu sein.

Trotz verlockender Zinsen ist jedoch von einer Finanzierung ohne einen Eigenkapital-Anteil von rund 20 Prozent abzuraten. Dabei dürfen bei der Finanzierung neben den eigentlichen Anschaffungskosten auch fällige Hausnebenkosten nicht außer Acht gelassen werden: Neben Kosten für Notar oder Makler sollten „mindestens 20 Prozent des Kaufpreises auf der hohen Kante sein“. Denn: Je weniger Eigenkapital da ist, umso schwerer ist ein günstigerer Zinssatz bei der Bank verhandelbar. In der Regel honoriert ein Kreditgeber vorhandene Sicherheiten wie Eigenkapital, ein vorhandenes Baugrundstück oder pfändbare Lebensversicherungen mit Zinsabschlägen bei der Darlehensvergabe.

Längere Zinsbindung vereinbaren

Susanne Götz, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, rät trotz teurerer Angebote mit langer Zinsbindung angesichts des derzeitigen Zinsniveaus zu einer möglichst langen Laufzeit, die zudem ein Mehr an Sicherheit für die Zukunft biete. 20 bis 25 Jahre Zinsbindung sind anzustreben, besonders Volltilger-Darlehen bieten den unbestreitbaren Vorteil, dass das Darlehen am Ende der Zinsfestschreibung vollständig getilgt ist. Dabei kann der Einzelne trotz langer Zinsbindung flexibel bleiben, da grundsätzlich jedes Darlehen zehn Jahre nach Empfang gekündigt werden kann. Auch kann sich durch eine Aufteilung der Darlehenssumme auf mehrere Verträge die Finanzierung individuell gestalten – etwa dann, wenn eine mittelfristig zu erwartende größere Summe für eine etwaige Rückzahlung ansteht.

Rasche Tilgung

Gerade für ältere Kreditnehmer ist die Auswahl einer Finanzierung das A und O, die eine möglichst rasche Tilgung mit mindestens zwei Prozent vorsieht. Dabei wirken Modelle wie Bauspar-Sofortfinanzierungen oder Bauspar-Direktfinanzierungen trotz niedriger monatlicher Raten zwar auf den ersten Blick attraktiv. Dabei nimmt der Betreffende ein Darlehen auf und zahlt dafür Zinsen. Statt aber auch gleichzeitig mit der Tilgung zu beginnen, wird ein neuer Bausparvertrag angespart. Sobald er zugeteilt werden kann, löst er das Vorausdarlehen ab. Anschließend muss noch das eigentliche Bauspardarlehen abgezahlt werden. löst er das Vorausdarlehen ab. Anschließend muss noch das eigentliche Bauspardarlehen abgezahlt werden.

Sondertilgungsmöglichkeiten aushandeln

Zu den wichtigsten Konditionen einer Baufinanzierung zählt die Möglichkeit von Sondertilgungen. Daher sollte ein Darlehensnehmer neben der regulären Tilgung beim Abschluss eines Baudarlehens auch die Option aushandeln, jedes Jahr in bestimmter Größenordnung auch Sondertilgungen leisten zu können, welche die Zinslast deutlich reduzieren helfen. Fällt so einmal eine überraschende, ungeplante Erbschaft, ein Bonus oder eine Abfindung aus einem bisherigen Beschäftigungsverhältnis an, kann die entsprechende Summe umgehend für die Tilgung des Darlehens eingesetzt werden.


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