Die Raucherkrankheit – Husten mit Auswurf oder steckt mehr dahinter?

Wer von „Raucherkrankheit“ spricht, weiß oft gar nicht, wovon die Rede ist. Es gibt mehrere Erkrankungen, die im Volksmund so genannt werden. Rauchen ist ungesund, das ist eine unbestreitbare Tatsache. Rauchen erhöht das Krebsrisiko und schädigt das Herz-Kreislauf-System. Für die meisten Raucher sind diese Bedrohungen zu abstrakt und sie können trotz dieser Risiken nicht von der Zigarette ablassen.

Über 80% aller COPD-Patienten waren oder sind Raucher.

 

Im Grunde wird jedes Organ eines Rauchers in Mitleidenschaft gezogen, denn Nikotin beinhaltet mehr als 300 Toxine (=Giftstoffe), die sich im Körper anreichern. Die Folgen lassen sich bereits am äußeren Erscheinungsbild erkennen:

  • Fahle Haut
  • vorzeitiges Altern
  • schlecht verheilende Wunden
  • geschädigte Zähne
  • häufige Erkältungen

Manchmal geht die vermeintliche Erkältung nicht mehr weg, sondern manifestiert sich zu einer Art Dauerhusten, der sich chronisch festsetzt. Atemnot und Brustenge sind die Folge. Raucher leiden überdurchschnittlich oft an Atemwegserkrankungen. Chronischer Husten gehört dazu und wird im Allgemeinen nicht weiter beachtet. Die schlimmste Raucherkrankheit entwickelt sich oft aus chronischem Husten und verläuft immer tödlich. Sie trägt den sperrigen Namen „chronisch-obstruktive Lungenerkrankung“. Die Kurzbezeichnung COPD rührt vom englischen Namen der Krankheit „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“.

COPD – eine unterschätzte Volkskrankheit

COPD gehört zu den am weitesten verbreiteten Krankheiten weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stellt fest, dass rund 64 Millionen Menschen darunter leiden und jährlich etwa 3 Millionen Menschen daran sterben. Sie prognostiziert, dass COPD im Jahr 2030 auf Platz 4 der Liste der häufigsten Todesursachen weltweit rangieren wird. Das betrifft auch Deutschland. Die internationale BOLD-Studie (Burden of Obstructive Lung Disease), an der sich auch die Medizinische Hochschule Hannover beteiligte, ging im Jahr 2010 von 6,8 Millionen Erkrankten aus und sagt für das Jahr 2030 ein Anstieg der COPD-Erkrankungen in Deutschland von weiteren 1,1 Millionen Patienten aus. Das wären dann insgesamt 7,9 Millionen Betroffene.

Die Krankheit – irreversibel, schmerzhaft und Todesangst auslösend

Auf den Punkt gebracht zerstört die Krankheit die Lunge. Bildlich gesprochen zerstört sie das Lungengewebe, legt Lungenbläschen lahm, lässt ganze Teile des Lungenflügels absterben. Betroffene leiden unter lebensbedrohlicher Atemnot. Doch bis es so weit ist, schleicht sich die Krankheit ganz langsam an. Zunächst kommt es zu morgendlichem Auswurf beim Husten, körperliche Belastungen führen recht schnell zu Erschöpfung, selbst das Bewältigen kleiner Laufwege strengt zu sehr an. Die Problematik liegt auf der Hand: Betroffene erkennen zu spät, dass der Husten und die frühe Erschöpfung Anzeichen der tödlichen Lungenkrankheit sind. Sie nehmen die Anzeichen nicht ernst und gehen nicht zum Arzt. Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, kann sogar eine leichte Lungenentzündung tödliche Folgen haben.

Diagnose COPD – Sofortmaßnahmen gegen die Raucherkrankheit

Menschen, die die Diagnose COPD bekommen, können selbst einiges tun, um den Verlauf zu verlangsamen. Die erste und wirksamste Maßnahme ist, sofort mit dem Rauchen aufzuhören. Zudem sind Atemübungen das A und O. Ärzte verschreiben dafür spezielle Geräte, die für den täglichen Hausgebrauch geeignet sind. In Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Physiotherapeuten können COPD-Patienten Techniken erlernen, die das Atmen erleichtern. Zu finden sind diese Atem-Physiotherapeuten zum Beispiel über die Deutsche Atemwegsliga e.V. Es lohnt sich, frühzeitig mit den Atemübungen zu beginnen, denn sie stärken die Atemmuskulatur und helfen bei akuten Erstickungsanfällen dabei, die Ruhe zu bewahren – soweit das in einer mit Panik besetzten Situation überhaupt möglich ist.

Ans Bett gefesselt: Damit müssen Betroffene rechnen

Wer sich nicht wehrt und nichts tut, der erreicht irgendwann ein Stadium, in dem praktisch nichts mehr geht. Jeder Schritt wird zur Qual, jede Bewegung zur buchstäblich Atem raubenden Belastung. Der Aktionsradius wird immer kleiner. Im fortgeschrittenen Stadium können Erkrankte alleine kaum mehr aufstehen, weil ihr Körper chronisch unter Sauerstoffmangel leidet. Auch, wenn sie mit einer Sauerstoffzufuhr versorgt werden, die ein wenig Linderung bringt, so bleibt doch der Fakt, dass die Lungenkapazität nicht mehr groß genug ist, um die notwendige Menge Sauerstoff aufzunehmen. Betroffene vergleichen das Gefühl damit, dauerhaft unter Wasser zu sein und nur durch einen dünnen Strohhalm atmen zu können. Es kommt einfach nicht genug in der Lunge an und sie ringen permanent nach Luft. Dass ein solcher Zustand zu Depressionen führt, ist verständlich.

Im weit fortgeschrittenen Stadium sind Patienten dauerhaft ans Bett gefesselt und können praktisch kaum mehr einen Schritt tun. Angehörige können nur bis zu einem gewissen Punkt in Eigenleistung die pflegerischen Aufgaben übernehmen, die jetzt anstehen. Vieles erfordert eine spezifische Fachausbildung. Ist der Patient erst über ein Tracheostoma an ein Beatmungsgerät angeschlossen, müssen regelmäßig die Beatmungskanülen gewechselt werden. Diese pflegerische Maßnahme ist Angehörigen aufgrund des Verletzungsrisikos nicht zuzumuten.

Auch kann es durchaus geschehen, dass unkontrolliert Harn abgeht, sei es, weil die Muskulatur erlahmt oder weil der Patient nicht kräftig genug ist, um die Urinflasche oder den Nachttopf zu benutzen. Der Einsatz eines Katheters ist dann unerlässlich. Am besten ist dafür ein Einmalkatheter geeignet, der unkompliziert an einen Auffangbeutel angeschlossen wird. Dieser ist transparent und lässt das Pflegepersonal erkennen, ob die Farbe des Urins im Normbereich liegt.

Inhalieren und gezieltes Atemtraining verlangsamen den Krankheitsverlauf.

 

Operative Lösungen verhelfen zu einem zweiten Leben nach COPS

Es gibt operative Eingriffe, die den betroffenen Patienten das Leben erleichtern, es verlängern oder sogar ganz neu schenken können.

  • Reversible Lungenvolumenreduktion – Die Lunge wird mit Hilfe von Ventilen oder Spiralen vor Überblähung geschützt. Die Ventile verkleinern das Lungenvolumen und lenken die Luft in die funktionsfähigen Teile der Lungenflügel.
  • Irreversible Lungenvolumenreduktion – Die Lunge wird mit Wasserdampf behandelt und kleiner geschrumpft. Auch kann ein Gelschaum in die Lunge eingebracht werden, der sich an das Gewebe bindet. Noch im Versuchsstadium befindet sich das so genannte Airway Bypass System, bei der kranke Lungenteile mit gesunden Teilen durch eine Art Kanal verbunden werden, um die Luft, die die kranken Lungenteile nicht verarbeiten können - daraus entsteht die gefürchtete Überblähung – in die gesunden Lungenteile zu leiten.

Die effektivste Operation ist sicherlich die Organtransplantation. Eine neue Lunge, frei von COPD, schenkt ein neues Leben. Transplantierte berichten davon, dass sie aufgrund des Eingriffs ihren Geburtstag neu datiert hätten – nämlich auf den Tag der Lungentransplantation. Endlich wieder frei atmen zu können erleben Sie als Geschenk des Himmels und sind dankbar, dass sie mit dem neuen Organ ihren Alltag weitgehend uneingeschränkt gestalten können.


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