So etwas hat die Sportwelt noch nicht gesehen: Ein Team mit der Lizenz zum Spielen… aber ohne ein Dach über dem Kopf. Wie geht es in dem NFL-Drama um die Oakland Riders weiter? Neue Herausforderungen warten auf die Stadt, die sich als Retter in der Not mit profitablen Hintergedanken angeboten hat – Las Vegas.

Die Stadt der Glücksritter und Unterhaltungssüchtigen

Als eine schillernde wie schrille Spiel- und Unterhaltungsmetropole hat sich Las Vegas längst weltweit einen Namen gemacht. Kommt jetzt noch eine weitere Attraktion hinzu?

An dem berühmt-berüchtigten Las Vegas Strip, einem ca. 6,5km langen Bereich des South Las Vegas Boulevard hat sich schon so mancher Spielsüchtiger um seine gesamten Ersparnisse gebracht oder aber auch nach dem Gewinn eines kleinen Vermögens in einem der sieben größten Hotels der Welt genächtigt. Dabei hat die meist besuchte Stadt in den USA selbst nur ca. 320.000 Einwohner und ist geografisch gesehen nicht mehr als eine kleine Oase inmitten der riesigen, 35.000 Quadratkilometer umfassenden Mojave-Wüste im Süden Nevadas.
Um 1900 noch ein winziges Wüstenörtchen mit zwei Straßen, einigen kleinen Hütten und Bauparzellen, setzte ein gewisser Spekulant namens John F. Miller mit dem Kauf einiger Grundstücke in einer von der Eisenbahnlinie als Eigner organisierten Versteigerung erste Akzente. Ihm schwebte der Bau eines Hotels mit angeschlossenen Spielhalle vor – das Hotel existiert heute noch an der Kreuzung von Main Street und Fremont Street. Zahlreiche Nachahmer und damit auch Hotels, Spielhallen und Casinos folgten, der Grundstein zur rasanten Entwicklung hin zu einer Spiel- und Unterhaltungsmetropole war gelegt.
Heute verfügen die meisten Restaurants über ein eigenes Casino mit identischem Zuschnitt: Neben einarmigen Banditen, Videospielautomaten, Roulette-Tischen und Würfelspielen sind jede Menge Spieltische für Kartenspiele wie beispielsweise Poker und Blackjack anzutreffen.
Die nahezu unüberschaubare Anzahl an Spielmöglichkeiten und -geräten in den unterschiedlichsten Varianten, die es heutzutage in den Las-Vegas-Casinos gibt, lässt sich für den interessierten Laien am besten in Übersichtsportalen online nachvollziehen.
In größeren Hotelcasinos zeichnen sogenannte Playerscards mit Hilfe eines Chips jede Spielaktivität des zugewiesenen Kunden auf. Dahinter steckt ein Marketing-Konzept, das laut vegas4you.de Kundenbindung zum Ziel hat: Die Daten können nach Spielbeendigung ausgelesen werden, ab einem bestimmten Umsatz erhält der Besucher beispielsweise Ermäßigungen beim Zimmerpreis, Essensgutscheine oder auch Freispiele an diversen Spielgeräten.
Übrigens: Neben Casinos mit Spielsälen und Geldautomaten gibt es in Las Vegas auch Showvorführungen, Geschäfte und Restaurants jeder Preislage.

Sport in Las Vegas

Viel weniger als die unzähligen Spielcasinos werden sportliche Aktivitäten mit der Unterhaltungsmetropole assoziiert. Dabei gehören das College-Basketball-Team der University of Nevada in Las Vegas (UNLV), die Runnin' Rebels, zur sportlichen Visitenkarte der Stadt und belegen in der ewigen Bestenliste der NCAA den vierten Platz. Als Dauergast in der NCAA Division One im Herren-Basketball haben sie 1990 sogar unter der Ägide der Trainerlegende Jerry Tarkanian das Meisterschaftsfinale gewonnen.

Wie überall in den Staaten rangiert auch in Sin City Basketball an erster Stelle in der Publikumsgunst. American Football könnte in der Glückspielmetropole künftig einen weiteren sportlich wichtigen Akzent setzen.

Ein paar Jahrzehnte zuvor prägten Box-Größen wie Muhammed Ali, Sugar Ray Leonard und Mike Tyson das sportliche Antlitz Las Vegas‘ und gewannen ihre großen Titel in der heimlichen Box-Hauptstadt der Welt.

Die Las Vegas 51s sind regionaler Magnet im Baseball-Business und als Dauer-Anwärter für die Pacific Coast League eine Lokalberühmtheit, die alljährliche Saisonvorbereitung in der Baseball Major League findet im Rahmen eines Vorbereitungsturniers, des Big League Weekend in Las Vegas statt. Vier Major-League-Teams treten nur wenige Tage vor offiziellem Saisonbeginn in Freundschaftsspielen gegeneinander an.

Las Vegas ist auch alljährliche Station für den NASCAR (National Association for Stock Car Auto Racing) Sprint Cup, der im Las Vegas Motor Speedway stattfindet, Rodeoreiten mit den World Finals der Professional Bull Riders im Oktober und die unzähligen College-Teams prägen das bunte Bild einer auch sportbegeisterten Stadt. Und jetzt noch Football?

Ein neues Zuhause?

Wie sport1.de titelt, planen die umzugswilligen Oakland Riders ihren Umzug nach Las Vegas, nachdem sich der Verein gemeinsam mit den St. Louis Rams und den San Diego Chargers um einen 1,8 Milliarden US-Dollar teuren Stadium-Umzug nach Los Angeles bemüht hatten und im Entscheidungsverfahren leer ausgegangen waren. Der einjährige Mietvertrag mit dem Management des Oakland Coliseum war ausgelaufen, vom Klub wurde ein Wegzug aus dem heimischen aber strukturschwachen Oakland in die alte Wirkungsstätte Los Angeles favorisiert.
Pokerfirma.com geht auf den möglichen Deal näher ein und berichtet von Verhandlungsgesprächen zwischen dem hiesigen Casinomagnaten Sheldon Adelson und dem Raiders-Eigentümer Mark Davies, wonach ein neues, ca. eine Milliarde US-Dollar teures Sportstadium für die Raiders und die Runnin‘ Rebels auf einem kürzlich erworbenen, freien College-Areal entstehen soll.
Die Eintrittsgelder für geplante Meisterschafts- und Freundschaftsspiele - daneben sind auch Konzerte aller Art geplant - würden die Baukosten laut Casinoverband mittelfristig einspielen, immerhin soll sich der Bundesstaat Nevada mit 780 Millionen US-Dollar ebenfalls an dem Projekt beteiligen. Grünes Licht gab es auch bereits von Seiten des NFL-Dachverbandes, Einwände, eine Profi-Mannschaft in einem Bundesstaat zu integrieren, wo Glückspiele legal sind, gab es nicht.
Letztlich wittert der vermeintliche Wohltäter und Retter Adelson ein lukratives Geschäft: Ein Top-Team im Sport als Zuschauermagnet könnte mittel- bis langfristig die Bettenauslastung in Sin City erhöhen und damit indirekt das große Geld auch in die Casino-Kassen spülen.

                                 

Die Oakland Riders im Profil


Abbildungen: Bild 1: pixabay©romanov (CCO 1.0); Bild 2: pixabay©skeeze (CCO 1.0)



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