Die E-Zigarette. Ein Diskussionsthema, das nie endet

Ob Herbert Gilbert wohl gewusst hat, wie lange seine Erfindung aus dem Jahr 1963 für Diskussionsstoff sorgen würde? Sicher nicht. Klar ist, dass der US-Amerikaner sich nachweislich bereits zu Beginn der 1960er Jahre das Konstrukt hat patentieren lassen, was heute als E-Zigarette Anhänger und Kritiker findet und regelmäßig für Diskussionsstoff sorgt. Das Spannende beim Blick in die Geschichte ist eigentlich diese Tatsache: Gilbert hat alles so gemacht, wie wir es heute kennen. Statt dem Verbrennen von Tabak stieg bei der rauch- und tabakfreien Zigarette aus Gilberts Feder Dampf auf. In die Serienproduktion schaffte es dieses Erstlingswerk nicht. Heute hat sich rund um die E-Zigarette ein Markt entwickelt der Seinesgleichen sucht und in diesem Beitrag einmal näher beleuchtet werden soll.

Abb. 1: Der Qualm störte zunächst die Wenigsten.

Fürs Scheitern gab es keinen definierbaren Grund

Warum Gilberts Erfindung nicht bereits in den 1960er Jahren zum Kassenschlager wurde, darüber kann heute nur gemutmaßt werden. Vielleicht war es die Akzeptanz des Zigarettenqualmens, die die Gedanken an eine Alternative buchstäblich in Rauch haben aufgehen lassen. Oder es waren die fehlenden Studien, die heute deutlich machen, dass das Rauchen von Tabak schwere gesundheitliche Folgen haben kann. Und Nichtrauchergesetze!?. Dieses Fremdwort nahm in den 1960er Jahren wahrlich keiner in den Mund.

Zur Jahrtausendwende kommt auch die Rauchwende

Vierzig Jahre nach Gilberts Erfindung kam der Aufschwung. Anti-Rauchgesetze. Drastische Darstellungen dessen, was das Zigarettenqualmen für Krankheiten nach sich ziehen kann. Die Ausgrenzung der rauchenden Gemeinde. All diese Entwicklungen ebneten der E-Zigarette den Weg. Das Gilbert-Modell ist es letzten Endes übrigens nicht geworden. Stattdessen hat ein Chinese, Hon Lik, noch einmal in punkto Technik nachjustiert und im Zuge dessen auf Propylenglykol gesetzt. Dies nutzte er zur Verdünnung der flüssigen Nikotinlösung, die er in einem Einwegzylinder unterbrachte. Mit dem ersten internationalen Patent, das das chinesische Unternehmen Golden Dragon Holdings (später: Ruyan) im Jahr 2007 anmeldete, entwickelte sich ein Markt, der heute fast schon unfassbare Dimensionen annimmt. Und es sollte nicht das einzige Patent bleiben. Neue Techniken eroberten die E-Zigaretten-Szene.

Dampfwolken steigen auf. Die Szene streicht den „Rauch“ aus dem Wording

Vehement spricht sich die E-Zigaretten-Szene dagegen aus, eine Gruppe von Rauchern zu sein, deren einziges Unterscheidungsmerkmal es ist, dass sie keinen Aschenbecher benötigen. Wer E-Zigaretten konsumiert, ist anders. Und das beginnt bereits bei der Ausdrucksweise.

Anstatt zu rauchen, wird hier gedampft. Zugegeben, mit Blick auf den riesigen Markt an verschiedenen Liquids, die mittlerweile für die E-Zigarette erhältlich sind, passt der Ausdruck „Dampf“ auch deutlich besser. Grundsätzlich unterschieden werden die Liquids für die E-Zigarette nämlich in nikotinhaltige und nikotinfreie Liquids. Wer auf die nikotinhaltige Variante setzt, kann den Nikotingehalt selbst bestimmen, der je nach Anbieter zwischen drei und 18 Milligramm variiert.

Spektakulärer ist hingegen der Markt der nikotinfreien Liquids, denn hier kennt die geschmackliche Kreativität kaum Grenzen. Zu den klassischen Tabak Liquids gesellen sich Geschmacksrichtungen, die Getränkesorten nachempfunden sind. Auch Minze und Menthol gibt es natürlich als Liquid für die E-Zigarette. Wer’s fruchtiger mag, der setzt auf Frucht-Liquids, Eis-, Bonbon-, Vanille- oder Kokos-Geschmack. Für die Fans des süßen Geschmacks gibt es die Liquids mit Schoko-, Nuss-, Keks- und Kuchen-Geschmack.

Abb. 2: Einfache Technik und Liquids mit Geschmack

Einfache Technik führt zum Dampferlebnis

Wer verstehen möchte, wie die E-Zigarette funktioniert, der braucht nur wenig Vorstellungskraft. Mit dem Zug (nicht am Filter, sondern am Mundstück) wird der Akku aktiviert. Dieser versorgt den Verdampfer mit Spannung. Es fließt Strom. So werden die Heizspiralen im Verdampfer erhitzt. Das Liquid, das sich im Tank befindet, verdampft bei über 300 Grad.

Die Diskussion wird nie enden

Während die Befürworter der E-Zigarette, die gar nicht unbedingt selbst Konsumenten sein müssen, vor allem den Dampf schätzen, der meist nicht nach Nikotin riecht, argumentieren die Ex-Zigaretten-Raucher, die nun zu E-Zigaretten-Dampfern geworden sind: Die E-Zigarette war ihre Hilfe, mit dem Zigarettenrauchen aufzuhören.

Abb. 3: Verharmlosen E-Zigaretten und Shishas das rauchen?

Auf der Seite der Kritiker hingegen gibt es Schelte: E-Zigaretten verharmlosen das Rauchen (ebenso wie das Rauchen von Shisha-Pfeifen). Als Einstiegsdroge, Verharmlosung und dergleichen mehr werden die E-Zigaretten verteufelt. Und regelmäßig, wenn die Ergebnisse einer neuen Studie vorliegen, geht wieder ein Aufschrei durch die Medien, in der – meist die gesundheitlichen Folgen – per Fingerzeig in den Mittelpunkt rücken.

Was bleibt ist zwar kein kalter Nikotinrauch mehr, der in Haaren und Kleidung haftet, sondern die Überreste der Diskussionen zum Thema E-Zigarette. Dabei gibt es vor allem ein Resümee, dass man in jedem Fall ziehen kann: Die E-Zigarette steht für ein Produkt, das sich aus dem Nichts in eine mächtige Marktpräsenz gekämpft hat. Wer das Produkt nutzen möchte, der wird nicht auf die Streithähne hören. Spannend jedoch ist in diesem Zusammenhang die Haltung mancher in der Öffentlichkeit, denn auch dies ist eine Aussage, die in aller Öffentlichkeit thematisiert wird: „Es ist wichtig, dass Europa das Potenzial dieser Technologie (=die Technologie der E-Zigarette) nutzt, um die Auswirkungen des Rauchens auf die öffentliche Gesundheit in Europa zu reduzieren.“


Abbildung 1: Der Qualm der Zigarette scheint zu Gilberts Zeiten nur wenige Leute gestört zu haben. Vielleicht fand deswegen die erste E-Zigarette keine Fans. pixabay.com © vborodinova (CC0 Public Domain)

Abbildung 2: Eine vergleichsweise einfache Technik und Liquids nach jeglicher geschmacklicher Couleur stellen heute den Markt der E-Zigaretten dar. pixabay.com © Horwin (CC0 Public Domain)

Abbildung 3: Schnell werfen die Kritiker alles was qualmt in eine Dampfwolke und schlussfolgern, dass E-Zigaretten und Shishas gleichermaßen das Rauchen verharmlosen. pixabay.com © Dommiii (CC0 Public Domain)


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