Das Problem mit der Bundesliga

Jahrelang hat sich die Bundesliga als Premium-Produkt im europäischen Fußball betrachtet. Aber in letzter Zeit schwankt diese Selbstansicht. Vor allem neutrale Beobachter erkennen, dass dem deutschen Fußball längst vom englischen und spanischen der Rang abgelaufen wurde. Und auch die italienische und die französische Liga sind drauf und dran, der Bundesliga in Sachen Attraktivität den Schneid abzukaufen. Der Gründe für diese Talfahrt gibt es viele. Zum einen ist die Meisterschaft seit Jahren bereits entschieden, bevor der erste Ball überhaupt getreten wurde. Die Wettquoten auf den FC Bayern München als Meister sind verschwindend gering, und das Team aus der bayerischen Landeshauptstadt beweist jede Saison aufs Neue, dass sie den Erwartungen gerecht wird. In Kürze holt sie die sechste Meisterschaft in Folge, und mit einem Ende der Serientitelsammlung ist in naher Zukunft nicht zu rechnen.

Zum anderen stellen sich die Verfolger der Münchner jedes Jahr zu wenig clever an, um einen Durchmarsch des Klassenprimus auch nur ansatzweise zu verhindern. Borussia Dortmund hatte am siebten Spieltag der aktuellen Saison fünf Punkte Vorsprung auf die Bayern und galt schon als Wachablöser. Dann folgte eine Serie von acht Spielen ohne Sieg, und schon fand sich der BVB auf Rang acht wieder. In der vergangenen Spielzeit war es RB Leipzig, das für kurze Zeit die Tabellenspitze innehatte – nur um am Ende die Bayern mit einem Vorsprung von 15 Punkten ziehen lassen zu müssen.

Eines muss man der Bundesliga aber zugute halten: Unterhalb von Platz 1 ist sie extrem spannend. Sowohl das Rennen um die internationalen Plätze als auch gegen den Abstieg sind längst nicht entschieden und werden es wohl bis zum letzten Spieltag auch nicht sein. Wie leicht es ist, mit einer Siegesserie das Feld von hinten aufzurollen, hat der Aufsteiger VfB Stuttgart in den vergangenen Wochen bewiesen. Am 21. Spieltag war er nur einen Punkt von Relegationsplatz 15 entfernt, vier Spieltage später kann man angesichts von nur sechs Punkten Rückstand auf Rang 6 sogar von einem Europapokal-Platz träumen. Auch Werder Bremen hat sich dank guter Leistungen aus der akuten Abstiegszone befreit und kann nach oben blicken.

Einzig für den Hamburger SV und den 1. FC Köln scheint der Bundesliga-Zug so langsam abgefahren zu sein. Beide Teams haben bereits einen enormen Rückstand auf das rettende Ufer, und um beide Traditionsclubs wird man wohl am Ende der Saison trauern. Vielleicht ist daran auch ein Trend zu erkennen, den die Bundesliga bislang verpasst hat. Indem sie sich dem Einstieg von Investoren verschließt, schlägt sie die Chance aus, mit frischen Geldquellen wieder international konkurrenzfähig zu werden.


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