Angst vorm Zahnarzt

Die Hälfte aller Baden-Württemberger haben Angst vorm Zahnarzt

Jeder zweite Baden-Württemberger leidet unter der sogenannten Dentalphobie.

Was mit einem Gefühl des Unwohlseins beginnt, kann sich bis hin zu Panikattacken steigern, die keine Behandlung mehr zulassen.

Die Angst vor dem Zahnarzt stellt somit ein Problem dar, das breite Schichten der Bevölkerung betrifft.

Doch was verbirgt sich dahinter und welche Möglichkeiten gibt es, um sich dem Problem zu stellen?

Zahnärzte für Angstpatienten

Wie weit das Problem der Dentalphobie inzwischen in die Gesellschaft vorgedrungen ist, zeigt sich auch am Beispiel der Zahnärzte für Angstpatienten. Sie absolvierten eine spezielle Ausbildung, die sie schulte, behutsam und vorsichtig mit diesen Patienten umzugehen. Einerseits ist es dieser zusätzliche Grad der Ausbildung, der für erhöhte Kosten sorgt, die von den Krankenkassen meist nicht im vollen Umfang getragen werden. Weiterhin nimmt auch die Behandlung selbst mehr Zeit in Anspruch, die den Patienten zugestanden werden muss, um überhaupt dem klassischen Ablauf zu folgen.

Tatsächlich ist das Problem der Dentalphobie sehr viel weiter verbreitet, als dies bislang angenommen wurde. Dies verdeutlicht eine repräsentative Umfrage des Portals Zahnzusatzversicherungen-Vergleich.com, die in Zusammenarbeit mit einem Marktforschungsinstitut durchgeführt wurde. Von den 1.029 Teilnehmern, die an der Studie teilnahmen, litt etwa die Hälfte unter einer unterschiedlich stark ausgeprägten Dentalphobie. Damit erbrachten die durchführenden Instanzen einen wichtigen Beitrag zu einem objektiven Umgang mit der Phobie. Auf deren Seite finden Sie zudem Infos zur privaten Zahnzusatzversicherung.

Gründe und Ursachen der Dentalphobie

In der Vergangenheit wurde die Angst vor dem Zahnarzt meist belächelt und nie in kritischer medizinischer Hinsicht unter die Lupe genommen. Vielmehr trafen die strengen Blicke die Betroffenen, die als besonders ängstlich betrachtet wurden. Bis heute fehlt es aus diesem Grund an wissenschaftlichen Belegen für das Phänomen. Als häufige Ursache werden eher vage schlechte Erfahrungen mit dem Zahnarzt benannt, die häufig tief in der Kindheit verborgen liegen. Gleichsam wird die Angst auch medial immer wieder geschürt. Der Zahnarzt wandelt sich in den Darstellungen tatsächlich zu einem gefährlichen Gegenspieler, der eher mit einem Folterknecht als einem Mediziner zu vergleichen ist.

Liegen die Wurzeln des Problems so tief, so ist es in der Regel auch in einer Behandlung schwer, merkliche Erfolge zu erzielen. Am ehesten gelingt es durch die Psychotherapie, an den Wurzeln der Angst zu arbeiten. Die Patienten selbst stehen diesem Vorhaben allerdings oft sehr kritisch gegenüber. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass allein der Gedanke an die schmerzlichen Erfahrungen Angst auslöst. Eine gezielte Aufarbeitung der eigenen Angst ist unter diesen Voraussetzungen oft nur schwer möglich. Bei besonders intensiven Ausprägungen der Dentalphobie stellt dies jedoch den einzigen Weg dar, um tatsächliche Erfolge im Rahmen der Behandlung zu erzielen und dem Patienten dauerhaft zu helfen.

Die medizinischen Probleme

Doch warum ist es nun erforderlich, sich dem Problem der Dentalphobie zuzuwenden und die Sorgen der Menschen nicht einfach wegzulächeln? Einerseits ist es die Tatsache, dass weite Kreise der Bevölkerung davon betroffen sind. Weiterhin gibt es objektive wissenschaftliche Grundlagen, die bei der Einschätzung zu beachten sind. Es ist nicht das Unwohlsein auf der Seite des Patienten, das aus medizinischer Sicht ein Problem darstellt. An und für sich wirkt sich die Phobie nach einiger Zeit direkt auf den körperlichen Zustand des Patienten aus. Dieser ist für Jahre nicht mehr dazu in der Lage, sich dem Besuch beim Zahnarzt zu stellen. Meist beginnt diese Periode bereits mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter, wenn die Eltern nicht mehr darüber entscheiden, wann der Besuch beim Zahnarzt erfolgen sollte.

Anfänglich sorgt die Dentalphobie dafür, dass routinemäßige Kontrolltermine verpasst werden. Diese verfügen besonders für die Prophylaxe eine große Bedeutung und könnten die ersten Symptome einer Zahnerkrankung als Warnsignal nutzen. Nun verstreicht eine Periode, in der es meist noch möglich wäre, weitere gesundheitliche Folgen ohne großen Aufwand zu vermeiden. Durch die mentale Blockade bringen es die Patienten jedoch nicht über sich, den entscheidenden Anruf beim Mediziner zu tätigen. Auf lange Sicht führt dies zu irreparablen Schäden an den Zähnen. Zur Angst tritt in manchen Fällen dann ein gewisses Schamgefühl hinzu, nicht ausreichend auf die Gesundheit der Zähne geachtet zu haben. So begeben sich die betroffenen Menschen in einen Teufelskreis, aus dem sie ohne externe Hilfe nicht mehr heraustreten können.

Das Endstadium der Dentalphobie

Es dauert meist viele Jahre, bis ein Endstadium der Dentalphobie vorliegt. Schließlich stellt die einfache Zahnpflege in den eigenen vier Wänden keine besondere Herausforderung für Angstpatienten dar. Treten nach einigen Jahren die ersten Zahnschmerzen auf, die ohne Behandlung bleiben, so entfaltet sich bereits der Teufelskreis. Um die Schmerzen zu betäuben greifen viele Personen zu Schmerzmitteln. Im Laufe der Zeit sind jedoch immer höhere Dosen erforderlich, um die belastende Situation noch ertragen zu können. Aus dem einstigen Versuch, zumindest die Symptome der Zahnerkrankung zu besiegen und ihre Auswirkungen auf den Alltag zu reduzieren, wird im Anschluss eine Situation, die bis hin zur körperlichen Abhängigkeit von bestimmten Medikamenten führen kann.

Diese beispielhafte Betrachtung, die natürlich einen ausgesprochen schlimmen Fall markiert, verdeutlicht, dass die Dentalphobie nicht allein auf mentaler Ebene betrachtet werden sollte. Wer darauf verzichtet, den Blick auf die langfristigen körperlichen Folgen zu lenken, die mit dieser Verhaltensstörung in Verbindung stehen, unterschätzt die große Gefahr.
Auf die Situation in Baden-Württemberg bezogen bedeutet dies, dass drastische Schlussfolgerungen gezogen werden müssen. Angstpatienten setzen ihre Gesundheit langfristig aufs Spiel. Die Krankenkassen könnten somit selbst mit gutem Beispiel vorangehen, fordern Verbraucherschützer. Gezielte und kostengünstige Angebote für Angstpatienten hätten dabei auch für die Kassen einen wertvollen Vorteil. Denn auf diese Weise ließen sich die hohen Folgekosten abfedern, die meist durch die Krankheitsbilder entstehen. Das Ziel sollte aus diesem Grund lauten, den Kreislauf möglichst früh zu unterbrechen und für eine Entlastung der Lage zu sorgen.

 

1. Über das Thema Reden


Für jeden Menschen, der unter Dentalphobie leidet, ist es zunächst einmal wichtig, die Sorgen mit anderen zu teilen. Häufig ist die eigene Perspektive durch das jahrelange negative Reflektieren stark eingeschränkt. Die eigenen Gedanken einmal laut vor einer vertrauten Person zu äußern, bietet die Möglichkeit, sie in einem neuen Licht zu betrachten. Ist es dabei möglich, eng an der Wahrheit zu bleiben, so liefert diese Betrachtung ebenfalls eine erste Einschätzung der Intensität der eigenen Angst. Diese ist von großer Bedeutung, um den wahren Umfang des Problems zu erkennen und nicht einfach die Augen davor zu schließen.

Neben den eigenen Vertrauten ist natürlich auch der Zahnarzt ein guter Ansprechpartner. Auch Mediziner, die nicht über eine spezielle Ausbildung im Umgang mit Angstpatienten verfügen, hatten zumeist in der Vergangenheit schon einmal mit einem ähnlichen Fall zu tun. Sie sind somit in der Lage, auf den richtigen Umgang mit dem Thema aufmerksam zu machen. Dieses Gespräch sollte nach Möglichkeit unter vier Augen stattfinden, um so den Druck aus der Situation zu nehmen. Zugleich besteht dadurch die Möglichkeit, einen "gefahrlosen" Gang in die Arztpraxis in Angriff zu nehmen. Häufig stärkt bereits dieser Besuch das eigene Gefühl der Sicherheit, das womöglich auf den späteren Tag einer Behandlung übertragen werden kann.

2. Der Austausch mit Betroffenen


Aufgrund der Tatsache, dass auch in Baden-Württemberg etwa jeder zweite Mensch unter der Dentalphobie leidet, gibt es entsprechend viele Möglichkeit, um sich mit Betroffenen in Verbindung zu setzen. Dieser Austausch ist besonders hilfreich, um das Gespräch mit Menschen zu suchen, die die eigene Perspektive sehr genau kennen. Häufig haben sie bereits Fortschritte auf ihrem Weg aus der Angst gemacht. Sie können nun darüber Auskunft geben, welche Hilfen für sie eine echte Unterstützung darstellten. Folglich steht damit die Chance in Verbindung, sich selbst an dieser Einschätzung zu orientieren. Gesprächskreise werden in vielen Regionen des Landes angeboten und stehen zu jeder Zeit offen. Auch eine Anmeldung ist in der Regel nicht erforderlich, um an den Treffen teilnehmen zu können.

3. Impulse im Alltag


Auch der Alltag bietet die Gelegenheit, die Dentalphobie in den Griff zu bekommen. Aktuelle Studien belegen, dass es nicht nur die Hilfe von Tabletten und Therapeuten ist, die die Gelegenheit bietet, sich der eigenen Situation zu stellen. Häufig kann die Angst vor dem Zahnarzt auch ein Symptom für die aktuellen Lebensumstände sein. So trägt zum Beispiel viel Stress im Alltag dazu bei, dass sich die Ängste vor dem Zahnarzt verstärken. Gleichsam lässt sich die eigene Herangehensweise an das Thema verändern, um auf diese Weise einen positiven Einfluss auf die Phobie zu nehmen.
Für dieses Vorhaben kann es ratsam sein, zunächst auf genügend Auszeit von der Arbeit zu achten. Besonders die Mediation präsentiert sich als hilfreiches Instrument, um mehr Kontrolle über die eigenen Gedanken zu bekommen. Das gezielte Lenken der Aufmerksamkeit bietet die Chance, den ewigen Kreislauf der Gedanken zu verlassen und sich eher von der Angst zu lösen. Ebenso bedeutsam ist eine gesunde Ernährung, die es möglich macht, einen positiven Einfluss auf die Angst zu nehmen.

Die Zeit in der Arztpraxis

Obwohl die Dentalphobie weite Strecken des eigenen Lebens beherrschen kann, konzentrieren sich die eigenen Sorgen auf einen winzigen Zeitraum. Relativ betrachtet nimmt die Phase auf dem Behandlungsstuhl des Arztes tatsächlich nur einen verschwindend geringen Raum ein. Aus diesem Grund sollte es eigentlich kein Problem sein, sicher mit dieser Herausforderung umzugehen. Eine erste Möglichkeit, um sich der Angst zu stellen, objektiv auf die Lage zu schauen. Bei geringeren Ausprägungen der Phobie reicht die Erkenntnis aus, dass es sich um eine Situation handelt, wie sie tagtäglich tausende Menschen in Deutschland auf sich nehmen.

Weiterhin ist es die Ungewissheit über das Geschehen, die die Angst in der Praxis herausfordert. Tatsächlich sind es nur wenige Zahnärzte gewohnt, Auskunft über ihre Behandlungsschritte zu geben. So bleiben die Patienten selbst darüber im Ungewissen, welche Instrumente nun für welchen Zweck eingesetzt werden. Auch an dieser Stelle präsentieren sich Zahnärzte für Angstpatienten als besonders geeignet, um den Druck aus der Situation zu nehmen. Dies liegt daran, dass sie ihren Patienten stets Auskunft darüber geben, welches Ziel mit der Behandlung angestrebt werden soll. Weiterhin werden keine unangekündigten Behandlungsschritte in die Wege geleitet. Vielmehr weiß der Patient zu jeder Zeit, welcher Schritt nun durchgeführt wird. Für Menschen, die unter einer Dentalphobie leiden, kann auch dies eine Chance sein, sich dem eigenen Druck zu stellen.

Der Umgang mit Schamgefühlen

Sobald sich die ersten ernsten Zahnerkrankungen eingeschlichen haben, gesellt sich zur allgemeinen Angst auch ein Schamgefühl. In ihren negativen Szenarien, die sich Angstpatienten immer wieder ausmalen, spielen auch diese Schuld- und Schamgefühle eine wichtige Rolle. So sind die Patienten der Meinung, der Zahnarzt könnte über den schlechten Zustand ihrer Zahngesundheit lachen oder nur verächtlich den Kopf schütteln. Tatsächlich sind diese Bedenken in einer seriösen Zahnarztpraxis ganz und gar unbegründet. In Anlehnung an den Eid der Mediziner ist das das höchste Ziel des behandelnden Arztes, zunächst die groben Schäden an den Zähnen zu beseitigen und den Patienten gegen weitere Folgeschäden zu schützen. Aus diesem Grund wird es nicht notwendig sein, sich Vorwürfe auf dem Behandlungsstuhl anzuhören oder wortlose Verachtung vom Gegenüber zu spüren.

Besonders geschulte Zahnärzte verstehen es, die persönliche Bedeutung der Situation für den Patienten zu erkennen. In der Tat verdient es Anerkennung, dass sich dieser seiner Angst stellte und Bedenken offen äußerte. Nur zu gut wissen die Mediziner über die Hürden Bescheid, die bis zu diesem Punkt überwunden werden müssen. Aus diesem Grund entsteht im besten Fall ein Gefühl der gegenseitigen Wertschätzung und Verbundenheit, dass dann zur Grundlage für weitere Besuche werden kann. Mit der Routine, die sich im Laufe der Zeit ausbildet, sinkt sogleich die Hemmschwelle. Von Mal zu Mal wird es dann einfacher, den Druck auf sich zu nehmen und sich der Situation zu stellen.

Vollnarkose - Chance oder Risiko?

Nicht immer ist es möglich, einen so nachhaltigen Weg mit Angstpatienten zu gehen. Menschen, die unter einer extremen Form der Dentalphobie leiden, ziehen aus diesem Grund auch die Vollnarkose als Weg aus der eigenen Angst in Betracht. Tatsächlich kann diese Form der Betäubung dafür sorgen, dass ein womöglich schwerer Eingriff leichter durchgestanden werden kann. Andererseits reicht die Narkose für Angstpatienten oft noch nicht gänzlich aus, um alle Zweifel zu beseitigen. Denn der Weg zur Praxis, die Zeit im Wartezimmer und der Weg ins Behandlungszimmer müssen bei vollem Bewusstsein ertragen werden und stellen oft eine enorme psychische Belastung dar.

Gleichsam bleibt die Erkenntnis bestehen, dass jede Vollnarkose sogleich ein gesundheitliches Restrisiko mit sich bringt, das nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Da praktisch alle zahnärztlichen Eingriffe auch bei örtlicher Betäubung vorgenommen werden könnten, sind die Krankenkassen in der Regel nicht dazu bereit, für die Vollnarkose zu bezahlen. Die Kosten der Betäubung, die häufig 300 Euro und mehr ausmachen, müssen somit vom Patienten selbst getragen werden. Weiterhin ist es im Vorfeld der Narkose notwendig, ein genaues Gespräch mit dem eigenen Hausarzt zu führen und eine medizinische Anamnese durchzuführen. Bereits eine bestimmte Vorerkrankung kann dabei die eigenen Pläne durchkreuzen. Der Zahnarzt sieht sich dann dazu gezwungen, zwischen den möglichen Folgeschäden an den Zähnen, die ohne eine fachgerechte Behandlung entstehen werden und den Risiken der Narkose, abzuwägen.

Eine Chance, die eng mit der Behandlung unter Vollnarkose verbunden ist, offenbarten jüngste Studien. Dabei reduzierte sich die Dentalphobie bei einigen Patienten, die sich zu einer Behandlung unter Vollnarkose überwinden konnten. Experten sprechen hierbei von einem "Verlernen der Angst". Dabei wird das positive Resultat der Behandlung, die unter Narkose durchgeführt wurde, nicht mit Schmerz oder Leid in Verbindung gebracht. Vielmehr fehlt dieser Verknüpfungspunkt, da im entscheidenden Moment keine Aufmerksamkeit erbracht werden konnte. Bei manchen Patienten reicht aus diesem Grund eine einzige Behandlung unter Vollnarkose aus, um die Angst vor dem Zahnarzt auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Kein fachgerechter Umgang?

Immer mehr Experten bemängeln, dass es in Deutschland bislang nicht möglich war, zu einem fachgerechten Umgang mit der Angst vor dem Zahnarzt zu finden. Nach wie vor wird das Problem der Betroffenen entweder verschwiegen oder in seiner Bedeutung reduziert. Dabei wäre es als ersten Schritt für viele Angstpatienten wichtig, mit ihren Sorgen verstanden zu werden, um dadurch eine Hürde zu meistern. Die Praxis zeigt, dass es ganz individuelle Ansätze gibt, um mit dem Thema umzugehen. Welcher Weg am Ende am besten geeignet ist, um wieder angstfrei zum Zahnarzt gehen zu können, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Umso wichtiger ist es, nicht länger über die eigene Angst zu schweigen, sondern den eigenen Gedanken Raum zu geben. Schließlich handelt es sich um ein Problem, das fest in unserer Gesellschaft verwurzelt ist.


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