Alkohol und Auto fahren - wann Feiernde das Auto lieber stehen lassen sollte

Bier, Wein, Cocktails und andere Mixgetränke – Alkohol gehört immer noch für viele Deutsche zum Feiern dazu. Sei es der Sekt zum Anstoßen, etwa an Silvester, oder das Glas Wein zu einem guten Essen. Alkoholische Getränke sind keine Erfindung der Neuzeit. Wein wurde beispielsweise schon weit in der Antike gekeltert. Und auch Bier ist seit Jahrtausenden bekannt. Ob es bereits in Griechenland oder Ägypten Regeln gegen das Fahren unter Alkohol gab, wird sich heute nicht mehr ohne Weiteres belegen lassen. Im modernen Straßenverkehr ist der Genuss alkoholischer Getränke immer wieder Streitthema. Von knapp 370.000 Unfällen im Straßenverkehr mit Personenschaden wurde im Jahr 2016 etwa 12.900 durch Fahrer ausgelöst, die unter Alkoholeinfluss standen.

Damit ist laut Statistischem Bundesamt Alkohol auf Platz 8 in der Tabelle der Unfallursachen gelandet. Verstöße gegen die Vorfahrt oder das Nichtbeachten des gesetzlich vorgeschriebenen Abstands führen weit häufiger zu Unfällen. Dass Alkohol in der Unfallstatistik so weit hinten auftaucht hat als Grund sicher die Regulierung. In Deutschland gelten – wie in vielen anderen Ländern – 0,5 Promille als Obergrenze. Aber: Bereits diese Menge Alkohol reicht aus, um die Reaktionen am Steuer zu beeinflussen. Was macht Alkohol genau im Körper? Und was passiert, wenn Autofahrer mit einem Blutalkohol unterhalb der erlaubten Obergrenze einen Unfall bauen?

 „Don’t drink an drive“ – dieses Statement gilt in vielen Ländern. In Deutschland ist ein geringer Alkoholwert im Blut kein Problem, jedoch kommt es auch auf die Fahrtüchtigkeit an. Quelle: @ WavebreakMediaMicro – 178972475 / Fotolia.com

Alkohol am Steuer - was ist erlaubt und was nicht?

In Deutschland wird viel Alkohol getrunken. Jeder Bundesbürger trinkt – so zumindest die Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. – im Jahr 9,6 Liter reinen Alkohols. Damit sind die Zahlen für den Zeitraum 2000 bis 2015 leicht rückläufig. Besonders stark ist der Konsum von Bier in den letzten Jahren gesunken. Hier zum Feierabend ein Bier, da auf dem Familiengeburtstag ein Glas Wein: Wer in Deutschland Alkohol trinkt, darf sich noch hinters Steuer setzen. Der Grund: In Deutschland gelten 0,5 Promille als Obergrenze, bis zu welche die Polizei noch ein Auge zudrückt. Allerdings darf sich nicht jeder Verkehrsteilnehmer auf diesen Wert berufen.

Beispiel: Für Fahranfänger gilt seit 2007 die eiserne Regel, dass nur nüchtern Auto gefahren werden darf (gilt für die Dauer der Probezeit bzw. bis zu zur Vollendung des 21. Lebensjahres). Wer trotzdem mit Alkohol im Blut erwischt wird, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Die Folgen: 250 Euro Geldbuße, ein Punkt in Flensburg und ein Aufbauseminar. Zusätzlich verlängert sich die Probezeit um weitere zwei Jahre. Allerdings waren die Regeln in Deutschland bezüglich Alkohol am Steuer nicht immer so streng. Eine Promillegrenze gibt es erst seit 1953. Im Vergleich zum heutigen Maßstab darf allerdings kaum von einer Grenze gesprochen werden. Es durfte bis 1,5 Promille ein Fahrzeug geführt werden. Die Alkoholgrenze ist in Deutschland erst schrittweise reduziert worden.

Promillegrenzen in anderen EU-Staaten:

Tabelle 1: Promillegrenzen in einigen anderen EU-Ländern

Alkohol am Steuer: Was passiert?

Wer mit Alkohol am Steuer erwischt wird, ist nicht automatisch den Führerschein los. Wie Polizei und Verkehrsbehörden reagieren, richtet sich einmal nach dem gemessenen Alkoholwert und dem Auftreten des Autofahrers. Prinzipiell wird zuerst (also auf der Straße) der Atemalkoholwert bestimmt. Bei Bedarf kann die Bestimmung des Blutalkohols angeordnet und in Deutschland auch erzwungen werden.

Wie bereits erwähnt, gilt für Fahranfänger ein striktes Alkoholverbot – also 0,0 Promille – am Steuer. Ähnlich streng sind die Regelungen in Deutschland bei Berufskraftfahrern. Sofern es sich hierbei um das Führen eines Fahrzeugs zur Beförderung von Personen – wie ein Taxi oder einen Bus – handelt, gilt auch hier der Grundsatz 0,0 Promille.

Bei allen anderen Autofahrern werden die Augen bis 0,3 Promille zugedrückt. Ab hier beginnt im Verkehrsrecht die relative Fahruntüchtigkeit. Heißt: Wer im Straßenverkehr auffälliges Verhalten zeigt, muss bereits jetzt mit Konsequenzen rechnen. Es kommt wegen alkoholtypischer Fahrweise zu einem Entzug der Fahrerlaubnis. Gleiches gilt für den Fall, dass schuldhaft mit 0,3 Promille oder mehr Alkohol im Blut ein Unfall verursacht wird.

Ab 0,5 Promille (0,25 mg pro Liter Atemluft) gilt ein generelles Fahrverbot, es handelt sich nach § 24a StVG um eine Ordnungswidrigkeit. Dieses greift selbst dann, wenn keine Auffälligkeiten bei betroffenen Autofahrern zu erkennen sind. Achtung: Wer wiederholt mit Alkohol am Steuer erwischt wird, muss sich einer Medizinisch-Psychologische Untersuchung (umgangssprachlich gern als Idiotentest bezeichnet) unterziehen. Mit einem Alkoholwert von 1,1 Promille begehen Autofahrer eine Verkehrsstraftat. Der Führerschein wird für wenigstens sechs Monate eingezogen und es gibt Punkte in Flensburg. Bei 1,6 Promille ist die MPU vor der Neuerteilung eines Führerscheins Pflicht. Achtung: Dies gilt auch für Alkoholfahrten mit dem Rad.

Alkoholgrenzen im Überblick:

  • 0,0 Promille – Fahranfänger und Personen mit Personenbeförderungsschein
  • 0,3 Promille – Entzug des Führerscheins bei Auffälligkeit oder Unfall
  • 0,5 Promille – Obergrenze für Teilnahme am Straßenverkehr, Ordnungswidrigkeit
  • 1,1 Promille – absolute Fahruntüchtigkeit, MPU bei Wiederholung

Was bewirkt Alkohol bei Autofahrern?

Das Alkohol die Fahrtüchtigkeit beeinflusst, hängt in erster Linie mit dessen biologischer Wirkung zusammen. Nach der Aufnahme, die übrigens bereits über die Schleimhaut im Mund beginnt, wird der Stoff über den gesamten Verdauungstrakt aufgenommen.

Die beeinträchtigende Wirkung entsteht unter anderem durch die Tatsache, dass der aufgenommene Alkohol den Informationsaustausch zwischen Zellen beeinflusst. Hierzu setzt Alkohol an den Ionenkanälen an. So wirkt Alkohol beispielsweise hemmend auf NMDA-Rezeptor. Hierbei handelt es sich um Ionenkanäle (Proteine, die geladene Teilchen durch eine Biomembran leiten), die in den Synapsen angesiedelt sind. Letztere sind quasi Knotenpunkte zwischen einzelnen Nervenzellen, welche durch Alkohol in ihrer Effektivität gehemmt werden.

In der Folge treten verschiedene Symptome auf, zu denen unter anderem:

  • die Wahrnehmung von Doppelbildern
  • Veränderungen in der Motorik
  • verzögerte Reaktionsgeschwindigkeit
  • Schwierigkeiten mit dem Gleichgewichtssinn

gehören. Speziell durch dieses Zusammenspiel ist Alkohol so gefährlich. Was die Risiken noch einmal erhöht, ist die unterschiedliche individuelle Verträglichkeit. Je nach Geschlecht und Gewicht sind die Toleranzen unterschiedlich hoch. Hinzu kommt, dass die Abbaugeschwindigkeit auch davon beeinflusst wird, was zum Alkohol konsumiert wird. So hat Zucker beispielsweise einen nachteiligen Effekt.

Alternativen für den Heimweg

Nach einer Firmen- oder Familienfeier noch fahren ist sicher eine der denkbar schlechten Alternativen. Wer Alkohol trinkt, muss sich über die Alternative zum Auto Gedanken machen. Das Fahrrad ist sicher nur bedingt hierzu geeignet, da auch in diesem Fall mit einem Verfahren wegen Trunkenheit im Straßenverkehr zu rechnen ist.

Wie können sonst noch Alternativen aussehen? Eine Option besteht darin, sich abholen zu lassen. Eventuell sind der Partner oder erwachsene Kinder nicht mit anwesend und können diese Rolle übernehmen. Vielleicht sind ja auch Nachbarn oder Verwandte und Bekannte hierzu bereit.

Eventuell lässt sich auch eine Fahrgemeinschaft bilden. Nicht jeder Autofahrer trinkt Alkohol. Aufgrund gesundheitlicher Bedenken oder der Einstellung wird zu alkoholfreien Alternativen gegriffen. Und bei Fahrgemeinschaften dieser Form kommt jeder Fahrer sicher nach Hause – ohne seinen Führerschein und die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer zu riskieren.

Fahren mit zu viel Alkohol im Blut kann teure Konsequenzen nach sich ziehen. Bußgelder erreichen bei hohen Alkoholwerten mitunter auch vierstellige Bereiche und es können sich Freiheitsstrafen hinzugesellen. Quelle: @ Stockfotos-MG – 101721435 / Fotolia.com

Fazit: Alkohol am Steuer niemals unterschätzen

Hier mal ein Glas Bier oder dort einen Wein – es gibt immer wieder Anlässe, aufgrund derer angestoßen wird. Alkohol lockert die Stimmung und löst die Zunge. Was für die Stimmung sicher von Vorteil ist, hat allerdings auch Nachteile. Alkohol führt dazu, dass Reize nicht mehr schnell genug weitergeleitet werden. Und damit sinkt das Reaktionsvermögen. Denkbar schlechte Voraussetzungen für den Straßenverkehr. Daher gilt in Deutschland für Fahranfänger auch die Devise: Dont´t drink and drive! Aber auch sonst sollte sich niemand auf die 0,5 Promille Grenze verlassen. Es kann durchaus schon ab 0,3 Promille brenzlig werden. Auffälliges Verhalten führt in diesem Zusammenhang zum Einzug des Führerscheins. Ab 0,5 Promille wird es in jedem Fall kritisch.


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