Selfie Bezahlung auf Amazon

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Um seinen Kunden zukünftig die Bürde der Passworteingabe abzunehmen, arbeitet der Versandhändler Amazon gerade intensiv an einer ungewöhnlichen Innovation. Bezahlvorgänge sollen bald ganz leicht mit einem Augenzwinkern abgeschlossen werden – im wahrsten Sinne des Wortes!

Das Gesicht als Passwort

Die Funktionsweise ist in der Theorie schnell erklärt: Wollt Ihr ein Produkt auf Amazon erwerben, müsstet ihr in Zukunft nur Euer Handy zücken und ein Selfie machen. Damit andere das System nicht mit Fotos von Euch austricksen können, müsstet Ihr zusätzlich spontan mit der Erkennungssoftware interagieren, indem ihr nach Aufforderung blinzelt oder winkt. Damit das alles klappt, müsstet Ihr selbstverständlich vorab Eure biometrischen Informationen bei Amazon hinterlegen.

Ein Patent für eine Erkennungssoftware hat Amazon bereits angemeldet, nun soll die Idee durch ein weiteres Patent erweitert werden, um Transaktionen durch Selfies rechtskräftig zu machen. Seit Oktober 2015 existiert nun bereits der Patentantrag, angemeldet ist er damit noch nicht. Auch Mastercard liebäugelt mit der Erfindung und scheint ebenfalls großes Potential in ihr zu sehen. Ziel ist es, laut Amazon, das Bezahlen sicherer zu gestalten und Situationen zu vermeiden, in denen man sich bei der Passworteingabe peinlich berührt von seinen Freunden wegdrehen muss.

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Was sind die Nachteile?

Mithilfe eines Selfies zu bezahlen, erscheint auf den ersten Blick tatsächlich ziemlich sicher – immerhin hat man das eigene Gesicht ständig dabei. Ob die Software auch optimale Erkennung bei Zwillingen bietet, ist noch unklar. Fakt ist jedoch, dass auch die 3D-Darstellung des eigenen Gesichts professionell nachgestellt werden kann. Hacker kennen hier vermutlich genauso wenig Grenzen wie bei der Entschlüsselung eines Passwortes. Auch die Hinterlegung privater Informationen für das Gelingen der Selfie-Bezahlung birgt Risiken, die der Konsument selbst nicht überblicken kann. Die Bezahlung selbst wirkt locker und entspannt, der dahinterliegende Datenschutz ist miserabel. Die Frage ist nämlich, wer die gesamten biometrischen Daten verwahrt und wofür sie noch genutzt werden. Der vom Versandhändler angeführte Vorteil, damit unangenehme Situationen zu umgehen, wirkt stark konstruiert.

(Un)Sicherheitsfaktor Mensch

Dass die Bezahlung per Passwort heutzutage noch immer als unsicher gilt, liegt größtenteils nicht am System, sondern am Passwort selbst. Spitzenreiter unter den benutzten Passwörtern  sind noch immer „12345“, „passwort“ und „qwertz“. An dieser Stelle empfehlen wir, eine etwa 8-10 stellige Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zu benutzen, die nicht anhand persönlicher Daten erraten werden kann.


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