Igel gefunden - was nun?

Im späten Herbst, mit Anbruch der dunklen und kalten Jahreszeit, beginnt auch wieder das Rascheln und Quieken im Laub: Die Igel werden aktiv, um sich auf den nahen Winter vorzubereiten und sich einen Unterschlupf für Ihren Winterschlaf zu suchen. Immer öfter könnt Ihr die süßen Tierchen auch in Eurem Garten finden, auf der Suche nach Futter und einem Winterquartier zum Überwintern. 

Was Ihr über Igel wissen solltet

In Deutschland gibt es zwei Arten von Igeln, den Braunbrustigel, der im ganzen Land verbreitet ist und der Weißbrustigel, der nur in wenigen Randgebieten von Ostdeutschland vorkommt. Der Braunbrustigel ist ein Einzelgänger und gehört wie die Spitzmäuse und Maulwürfe zu den Insektenfressern. Er frisst am liebsten Regenwürmer und Insekten wie Käfer oder Keller-Asseln.

Braunbrustigel

Ein ausgewachsener Igel kann bis zu 1.500 Gramm wiegen und er besitzt zwischen 6.000 und 8.000 Stacheln. Die braucht er, um sich vor seinen natürlichen Feinden zu schützen: Fuchs, Marder, Dachs und Uhu. Bei den Stacheln handelt es sich übrigens um verhornte Haare. Die Lebenserwartung beim erwachsenen Igel beträgt rund sieben Jahre.

Die Tiere können sehr laut sein, wenn sie auf Nahrungssuche sind. Beim Fressen schmatzen sie oft und ab und zu knacken sie das Haus einer Schnecke oder den Panzer eines Insekts. Am lautesten sind die Tiere aber, wenn sie mit einem Artgenossen in Streit geraten oder auf Partnersuche sind.

 

Braucht der Igel überhaupt Hilfe?

Nicht jeder Igel, den Ihr im Spät-Herbst oder bei nahendem Winter im Garten findet, braucht Hilfe. Es ist sogar gesetzlich verboten, einen gesunden Igel der Natur zu entreißen und als Haustier zu halten. In erster Linie sind sie Wildtiere und keine Haustiere und kommen für gewöhnlich gut alleine zurecht. Nehmt also nur Tiere auf, die offensichtlich verletzt sind, verwaiste und schwache Tiere die außerhalb des Nests gefunden werden oder hilfsbedürftige Igel, die von Parasiten oder Eiern befallen sind. Nach der Genesung muss der gesunde Igel sofort wieder freigelassen werden.

Tipp: Kranke Igel oder schwache Alttiere erkennt Ihr daran, dass sie meist apathisch reagieren. Das heißt, sie unterlassen bei Berührung das typische zusammen rollen bei Gefahr. Ihre Augen sind dann meist eingefallen und schlitzförmig. Auch junge Igel, die unter 300 Gramm wiegen, brauchen Hilfe von einem Fachmann.

Wer im Herbst einen Igel im Garten herumspazieren sieht, muss sich also noch keine Sorgen machen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich der Igel einfach noch kein Fettpolster angefressen hat und noch fleißig auf der Suche nach Nahrung ist, wie das ein gesunder Igel eben macht.

 

Wann macht der Igel Winterschlaf?

Ab Mitte Oktober gibt es für Igel immer weniger zum Fressen im Garten zu finden. Die Bodentemperaturen sinken und es wird Zeit. sich hinzulegen für den Winterschlaf. Vor dem Winterschlaf müssen sich die Tiere aber ordentlich Winterspeck anfuttern um nicht zu verhungern. Gegen Mitte November schlummern die Igel tief und fest bis in den Frühling hinein. In besonders kalten Jahren kann das schon mal bis Mai dauern.

Deshalb eine Tipp: In diesen Monaten im Garten auf keinen Fall alte Laubhaufen entfernen, es könnte sich um ein Nest handeln und die Tiere stören oder im schlimmsten Fall sogar töten.

 

Tipps zum Bau eines Igelhauses

 

Die Natur liefert genug Materialien, um ein natürliches Igel-Haus zu bauen. Ihr braucht dazu einen trockenen und warmen Hohlraum. Ein Reisighaufen, Rasenschnitt, etwas Holz und viel trockenes Laub eignen sich dazu. Das Material sollte mindesten einen halben Meter dick sein, damit das Tier vor Kälte und Regen geschützt ist. Die Nähe zu Komposthaufen lieben die Tiere, da durch die Gärung Wärme entsteht und ab und zu kleine Snacks in Form von Insekten oder Würmer abfallen.

Für das Nest draußen kann man ein Winter-Schlafhaus für ein Freigehege im Garten bauen.

  • Das Gehege sollte mindesten 2m² groß sein und circa 50cm hohe Seitenwände haben
  • Das eigentliche Igelhaus kann ein großer Karton sein, der mit Stroh ausgelegt wird
  • Darauf achten, dass der Karton nicht direkt von der Sonne beschienen wird, sonst wacht der Igel aus dem Winterschlaf auf

Igel sind übrigens echte Schädlingsbekämpfer, sie essen gerne Schnecken, Würmer, Asseln und kleine Mäuse. Grund genug, ihnen bei der Überwinterung zu helfen.

Wann ist dringend Hilfe notwendig? 

Erst wenn die Temperatur konstant unter 5°C liegt, wird es für die Tiere gefährlich. So verhaltet Ihr Euch am besten bei unterkühlten, unterernährten, kranken, verletzten oder schwachen Igeln:

  • Bei Unterkühlung, das Tier wärmen und auf warme Handtücher oder eine handwarme Wärmflasche setzen.
  • Den Igel nach Verletzungen oder Parasitenbefall untersuchen. Nach Möglichkeit die Parasiten vorsichtig entfernen.
  • Das Tier füttern. Igel sind Fleischfresser, Katzen-Futter, ungewürztes Rührei oder Insekten und Würmer sind das perfekte Igel-Futter. Obst und Gemüse hingegen sollten dem Tier nicht angeboten werden. Zum Trinken genügt ihm Wasser, alles auf einer flachen Schale hinstellen und niemals dem Igel Milch anbieten! Dies kann zu Durchfall und dadurch zum Tod des Igels führen.
  • wenn Ihr ein krankes und geschwächtes Tier im Garten gefunden habt, kontaktiert am besten einen Tierarzt oder eine Igelstation. Eine Liste mit Stationen in Baden-Württemberg findet Ihr hier.
 

Der natürliche Lebensraum ist bedroht

Der Igel ist besonders durch den Mensch gefährdet. Der Straßenverkehr und die landwirtschaftliche Nutzung der Natur engen den Lebensraum des kleinen, stacheligen Tieres dramatisch ein. Durch die strukturierten Felder, mit viel offener Fläche, gibt es kaum mehr Unterschlupf-Möglichkeiten für den Nest-Bau. Deshalb ziehen die nachtaktiven Tiere immer mehr in die Nähe von Haus und Garten. Denn Hecken, Laub, totes Holz, Reisig oder Gestrüpp, bieten einen natürlichen Unterschlupf, ausreichend Futter und ein bequemes Winterquartier. Wenn Ihr bei Euch draußen also einen Igel findet, solltet Ihr den Garten für den Winter nicht zu sehr aufräumen. Nur dann findet das Tier einen geeigneten Unterschlupf für den Winterschlaf.


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